DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Verbaljudo bei dringlichen Anfragen
Ein herzliches Servus und Grüß Gott ins benachbarte
Tschörmani, liebe Eleg. Dass sich eine Deutsche und
ein Österreicher auf einer Schweizer Seite im Kolumnen-
Wechsel befinden, beschert mir eine richtig schön
imperialistische Erektion – Der deutschsprachige
Raum ist unser.
Die von dir angesprochene Problematik möchte ich
gerne unter dem Aufhänger „Die Diktatur der männlichen
Libido“ abhandeln, nicht nur weil das so schön reißerisch
klingt, sondern auch weil ich immer schon Gerti Senger
den Ruf als Sexperte der Nation ablaufen wollte. Im
Sinne eines funktionierenden Geschlechtsaktes kann ich
nämlich leider gar nicht anders, als von Frauen zu verlangen,
mir im Verlaufe des Vorgeplänkels das Gefühl zu geben,
sozusagen eine Nonne vergewaltigen zu müssen, dann aber, wenn
es zu physischen Aktivitäten kommt, quasi auf Knopfdruck
die routinierte Akrobatik einer Josephine Mutzenbacher
an den Tag zu legen. 40,- Eintritt, 80,- Mindestverzehr,
Französisch nach Aufpreis. Das ist
nicht meine Schuld, sagt Freud: Ich bin nichts
als ein zitterndes Etwas am Gängelband meines
„ES“. Ich würde ja gerne Frauen wie Menschen behandeln
und anrufen und so weiter, aber mein tyrannisches
Unterbewusstsein funkt mir dann störend in den
Geschlechtsakt. Du siehst also, es ist unmöglich.
Was mich jedoch aktuell weitaus mehr beschäftigt,
ist das andere Extrem: Die liebe Mercedes schafft
es anscheinend mit ihrem Sommersprossenmann,
ich scheine dafür denkbar ungeeignet:
Das längerfristige Zusammenleben mit anderen Menschen
ist mir nicht möglich. Das stört
mich und ich versuche permanent, die zur Eskalation
führenden Problemquellen zu analysieren: Beispielsweise
habe ich festgestellt, dass es manche Menschen schon zur
Weißglut treiben kann, wenn man morgens das Messer
in verwegenem Winkel im Nutellaglas stecken lässt.
Selten gut kommt auch, wenn man während der letzten
Zigarette des Tages im Bett einschläft und sich so
inklusive Partnerin beinahe dem Freitod à la
Ingeborg Bachmann überantwortet. Das hätte zwar
auch seine romantischen Seiten, die werden aber
dann gemeinhin ignoriert. Und so gut wie jeder
Mitbewohner, egal ob männlich oder weiblich,
zuckt durch, wenn man ob der
packenden Toilettenlektüre (Spiderman, TV-Programm,
Goethes Faust) versehentlich ein enormes
Andenken in der Schüssel hinterlässt.
Dann findet man sich plötzlich im Angesicht
erboster Mitmenschen wieder, die einem in gebrüllter
Weise alle Fehler und Schwächen vorrechnen.
Was nun? Durch minutiöses Studium von Nationalratsdebatten
konnte ich mir die unfehlbare Methode unseres
eben-noch-Vizekanzlers, Herbert Haupt, des
gefürchtetsten ohne-Punkt-ohne-Komma-Redners
der Nation aneignen. Es empfiehlt sich, augenblicklich
eine völlig sinnentleerte Suade über das Gegenüber
zu ergießen, mit monotoner Stimme vorgetragen,
und dabei jedwedes Kontra einfach dadurch abzuschmettern,
dass man den Redefluss erst einstellt, wenn der
Andere bereits vor einer Viertelstunde enerviert
den Raum verlassen hat und man schön langsam
selbst Angst bekommt. Der Inhalt dieses
Monologs ist nebensächlich und muss keinerlei
Sinn ergeben.
Dumm ist halt, wenn der/die Andere
irgendwann nicht mehr wiederkommt,
denn dann steckt man erneut in
Dilemma Numero Uno.
Panta Rhei, werte Eleg,
Dein Seeman
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DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Was bisher geschah:
SeemanSalztod [77 79 81 83 85 87 89 91 93 95 97 98]
Eleg [101]
Mercedes [29 47 49 51 53 55 57 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 92 94 96]
Horazio [59 61 63 65 67 69 71 73 75]
Horazio [1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 100]
Claire Grange [39 41 43 45]
Laura [2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26]
Madame Kiwi [31 33 35 37]
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