DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Lieber Seeman,
verzeih, aber es wundert dich noch, dass deine Beziehungen nicht funktionieren, wenn dir schon der reine Geschlechtsakt durch den Gedanken an ein postkoitales Telefonat mit der Penetrierten versaut wird? Das „Es“ ist schuld, sagst du? Ja wunderbar, meine Damen und Herren, da haben wir sie, die Allroundentschuldigung für Gott und die Welt, für Seemans Exzesse und meine Lover, für unser deutsches Universitätenchaos und meinen fränkischen Vermieter, für Gerti Senger und George Dubya, für übellaunige Kolumnen und verwegene Messer in Nutellagläsern – und vielleicht sogar für Oberlippenbärte.
Ach, Seeman, wie schön wäre das! Entschuldigen Sie, einen Kaffee bitte für mich und einmal hemmungslosen Sex für mein Es und eine Quittung, danke. Mal ehrlich, das ist zwar ganz mein Stil, aber nach Freud müßte uns hier das Sozialimplantat „Über-Ich“ zwischenfunken und freundlich, aber bestimmt wie eine frigide Icelandair-Stewardeß in den Wechseljahren mitteilen, daß Drogen an Bord und Sex im Café sowie Oberlippenbärte momentan unangebracht seien. Das ist natürlich ungeheuer schmerzlich, hat aber für mich persönlich den Vorteil, daß Über-Ich-geschulte Herren auch im erschlafften Zustand es dank dieser sozialen Steuerung gelegentlich über sich bringen, mich am Tag nach Aktvollzug anzurufen und Dinge zu heucheln wie Das ist mir noch nie passiert, Ich lass mich scheiden, Ich glaub ich bin verliebt, Ich bin wohl doch nicht schwul. Dann legen wir auf, denken „Was für ein Schwachsinn“, grinsen und ziehen wieder in die Nacht, aber wir kamen uns nicht vor wie Tiere.
Und, lieber Seeman, jetzt kommt´s: vielleicht denke ich dann auch, wie nett der junge Mann doch lügen kann und wie nett es doch wäre, wieder nach allen Regeln der Kunst durchgevögelt zu werden und ob mein Name zu seinem Nachnamen paßt. Die Basis einer langfristigen Beziehung also dauerhafter Kopulationsmöglichkeit ist nämlich nicht die Frage, ob er / sie das Nutellaglas auch hübsch zugeschraubt und in den Kühlschrank gestellt und die Zigarette nicht wieder im Bett ausgedrückt und organische Hinterlassenschaften ordnungsgemäß entsorgt hat, nein. Die Basis ist die Lüge und die Ehrlichkeit zuzugeben, daß man lügt. „Nein Liebes, ich drück keine Zigaretten im Bett aus, das muß wieder der Hund gewesen sein.“ oder „Ich liebe dich, das weißt du doch“ – so geht´s!
Wenn´s um das Wesentliche geht, Sex, lüge auch ich hemmungslos, denn ich weiß ja, daß man als flachzulegende weibliche Person dem geneigten Erlöser erst unbefleckte Zurückhaltung und brachialblöde Bewunderung vortäuschen muß, um dann, wenn das beidseitige Ziel irgendwie klar zu sein scheint (wenigstens für fünf bis zehn Minuten), loszulegen, was das Zeug hält. In der Tat tue ich nichts als lügen, denn ohne zwanghaftes Mädchen-Heilige-Hure-Sein ist man nur noch eines: nett. Die große Schwester, die sich Mann schon immer gewünscht hat: „Weißt du, meine Traumfrau ist auch ein bißchen wie du, so ehrlich und so, aber na ja, du bist mir zu mir zu wichtig. “ - an der Stelle frage ich dann meistens, ob die Herren nun blind, schwul oder impotent sind und gehe tödlich beleidigt meiner Wege. Detto; Beziehungen. Detto; Lügen.
Ehrlich.
Viel Erfolg!
Deine Eleg
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DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
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Horazio [59 61 63 65 67 69 71 73 75]
Horazio [1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 100]
Claire Grange [39 41 43 45]
Laura [2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26]
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