DIE DONNERSTAGSKOLUMNE


A Need for Oberflächenbespannung

Huuuuuaaaah, werte Eleg, du gehörst also zu jenen Frauen, die auf dem Altar missverstandener Lifestyle-Ästhethik das zu opfern trachten, was mir als einziges das Leben lebenswert gestaltet. Es sind dies in wertender Reihung: Titten und Ärsche. Und Titten! Was für fürchterliche Folgen das haben kann, möchte ich anhand einer Anekdote aus der Peripherie meines turbulenten Sexuallebens veranschaulichen:

Wann immer es sich zur Beibehaltung meiner rudimentären geistigen Gesundheit als unumgänglich erweist, mal wieder durch einen massiven Ausstoß von Oxytozin aus dem Hypophysenhinterlappen im Zuge des Koitus in einen zur Geburtenprävention ein- und aufgesetzten Latexwurmfortsatz zu ejakulieren, und sich in weiterer Folge meine Waschmaschine bereit erklärt hat, nach multiplen, an prächristliche Götzenanbetung gemahnenden Bettelritualen meine Leibwäsche in ausgehtauglichem Zustand wiederzukäuen, gehe ich in die „Tenne“. Die „Tenne“ ist ein tolles Lokal voll toller Menschen. Das Interieur stellt eine gelungene Mischung aus Heustadl und SM-Studio dar und als „Udosiger“ (schwer zu übersetzen … wörtlich: Nicht von hier seiender) bekommt man als Begrüßungsgeschenk von der strammen Landjugend gleich mal ordentlich eine in die Fresse. Warum also geht man dort hin? Richtig: Nirgends sonst gibt es soviel begattungswillige Weibchen auf einen Schlag. Und die sind alle gepierct. Wirklich Alle! An ihren Piercings sollst du sie erkennen. Wer eigentlich in die Umänderungsschneiderei nebenan wollte und versehentlich die falsche Tür erwischt hat, wird sofort in den Schwitzkasten genommen und bekommt mit einem Bolzenschussgerät die Brustwarzen perforiert.

Da taumelte ich also letztes Wochenende sabbernd und seiernd in gewohnt formidabler Berauschtheit von Ausschnitt zu Ausschnitt, als ich unvermutet auf die Schwester der Exfreundin eines Exarbeitskollegen traf, die ich aus Datenschutzgründen Elisabeth H. nennen möchte, oder doch lieber E. Huber. Diese hatten wir zu Zeiten unserer damaligen werkverträglichen Zusammenkünfte regelmäßig morgens mit dem Auto zu ihrer Arbeitsstelle mitbefördert. Im Zuge eines spontan entstanden Gespräches eröffnete mir E., zu meinem nicht unbeträchtlichen Erstaunen, dass ich dazumals anscheinend eine gewisse sexuelle Anziehung auf sie ausgeübt hatte, was umso verwunderlicher anmutet, als sie mich doch nur in einer Art Zustand gesehen haben konnte: Wenn ich wie ein Zombie nach selten mehr als drei Stunden Schlaf im spärlichen Licht der aufgehenden Sonne unmutig und verdrossen gen Arbeit wankte. Aber, anscheinend kann auch das meinem phänomenalen Sexappeal keinen Abbruch tun.

So fuhren wir also schließlich zu ihrer Heimstatt, um Versäumtes nachzuholen. Nur misslang dies bedauerlicherweise. Ohne hier pikante Details auszupacken: I could get no satisfaction, und das lag nicht etwa an meinem überbordenden Blutalkohol, sondern an der Tatsache, dass die liebe E. leider, leider Gottes von furchtbar magerer Gestalt ist. Ja sogar so dünn, dass ihr fremde Menschen – hauptsächlich natürlich Frauen – mit schöner Regelmäßigkeit unterstellen, an Magersucht zu leiden und ich mit der kontinuierlichen Befürchtung zu kämpfen hatte, ihr durch eine plötzliche Bewegung sämtliche Knochen zu brechen. Und damit schließe ich die Beweisführung mit dem Kampfschrei: Frauen statt Zahnstocher, Anna Nicole Smith (zu Playboy-Zeiten) statt der hendlhaften Victoria Beckham, Titten und Ärsche statt eines wandelnden Vogue-Covers!

Seeman





DIE DONNERSTAGSKOLUMNE



Was bisher geschah:

SeemanSalztod
[77 79 81 83
85 87 89
91 93 95 97
98 102 104]

Eleg
[101 103 105]

Mercedes
[29 47 49 51
53 55 57 60
62 64 66 68
70 72 74 76
78 80 82 84
86 88 90 92
94 96]

Horazio
[59 61 63 65
67 69 71 73
75]

Horazio
[1 3 5 7 9
11 13 15 17 19
21 23 25 27 28
30 32 34 36 38
40 42 44 46 48
50 52 54 56
58 100]

Claire Grange
[39 41 43 45]

Laura
[2 4 6 8 10
12 14 16 18 20
22 24 26]

Madame Kiwi
[31 33 35 37]





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