DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Just a single life
Es klingelte. Das mußte der neue Nacktputzstudent sein, den sich mein immobiler Mitbewohner von mir zu Weihnachten gewünscht hatte, "die verbrauchen sich immer so schnell", und diesmal hatte ich Österreich genommen, die halten länger, hatte man mir versichert. Wir waren immer Pechvögel, aber diesmal hatte ich das Kleingedruckte gelesen und, das sah ich gleich, es besser getroffen: Hier stand Dionysos, rotzig, männlich, geil.
"Ich mach alles. Uganda wollte mich nicht." sagte er. "Nacktputzen, Tische abräumen, Show-Cooking, Kohlen schaufeln, meine Schwester verkaufen, meinen Vater anrufen..." "Schon gut", sagte mein Mitbewohner, "fang einfach an", und deutete gelangweilt auf die Katastrophe hinter uns, im allgemeinen "Küche" oder noch besser "Wohnküche" genannt, was bei uns stets ungehemmte Heiterkeit auslöste und bei Besuch das innige Bedürfnis, sich gegen Cholera, Tetanus und Gelbfieber zu impfen. "Siehst ja was ansteht."
I c h stand an. Gott im Himmel!
Ein Blick zwischen die Zeilen genügte: der war´s. Der riß mich mittendurch, pulsierend, hart, mit wenigen Worten, der würde meinen Stolz brechen, mich willenlos machen, mit den Fingern in meinem Schamhaar wühlen, an meinen Brüsten saugen, mir seinen harten Schwanz zwischen die Schenkel rammen. Ich war ein pulsierendes Häufchen Elend.
"Ich will dich. Jetzt." sagte ich zum Überstecher Österreichs ohne Gnade, glühend, bereit, seinen Schwanz zu sehen und zu sterben, der war einer, der sich die Kippen auf der Zunge ausdrückte und Motoröl soff und sein Bier mit seinem Teil umrührte und auf Ex kippte und mit einer Hand zehn Männer niederstreckte und mir mit der anderen an die Titten langte, in meinen Augen glomm "Bitte ficken" wie ein neonfarbenes Leuchtreklameschild, und plötzlich wußte ich, was mir gefehlt hatte in meinem Leben und was schief gelaufen war und daß alle meine Gedichte falsch waren und alles anders und gut werden würde, aber da sah er sich ratlos um, sah die Hightechsportschuhe und das staatlich geprüfte Biotofu, sah meine Handvoll Tonträger - Jimi war nicht dabei - und meinen trendgerechten Atheismus, sah daß ich ungefährlichen Kaffee trinke und hin und wieder ein Glas Wein, sah überall Apoll am Werk, sah daß ich den Morgen schön finde und austauschbar bin, daß man mich problemlos killen und durch zwei andere ersetzen kann, sah daß ich meine Kleider bügle und dann sterbe und selbst da noch grinse, weil ich so ein glückliches Nebelpisserleben hatte.
"Verpiß dich zurück zu Erich Fried" sagte er,
lachte,
bemitleidete mich
und brauste in seinem Mercedes davon.
Manchmal reicht es nicht, nur einen Namen zu sagen.
Kein kluges Ende
diesmal.
Eleg
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DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Was bisher geschah:
SeemanSalztod [77 79 81 83 85 87 89 91 93 95 97 98 102 104 106 108]
Eleg [101 103 105 107]
Mercedes [29 47 49 51 53 55 57 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 92 94 96]
Horazio [59 61 63 65 67 69 71 73 75]
Horazio [1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 100]
Claire Grange [39 41 43 45]
Laura [2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26]
Madame Kiwi [31 33 35 37]
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