DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Credo ut intelligam
… war das Motto der römischen Glossatoren.
Der Glaube an den Text als Grundlage zum Verständnis
desselben. Und wenn wir schon bei unnötigen Texten sind,
oh Eleg:
Ich halte das für eine, gelinde gesagt, saublöde
Geisteshaltung. Gerade in der Literatur.
Da mir schön langsam die Themen ausgehen – Berichte
des Seitenblicke-Teams über Kollektivgrölen beim Villacher
Fasching gehören wie Harry Potter und die Katholische Kirche
zu den Dingen, die ich kategorisch boykottiere, denen
ich aber trotzdem nicht entkommen kann ... Und sonst;
Naja, Ingvar Ambjörnsen hat mal geschrieben, solange man
zum Kacken noch aus dem Bett aufsteht, ist man noch nicht
ganz unten angelangt; Nichts Neues also – muss ich
mich dem ausgelutschtesten aller Sujets zuwenden:
Der Gegenwartsliteratur. Denn, um mit Aldous Huxley
zu sprechen: „Kunst kann vielerlei sein; aber praktisch dient sie
meist als geistiger Ersatz für Alkohol und Kanthariden.“
Auf meiner ewigen Suche nach einem österreichischen Schriftsteller,
dessen Texte in mir ein anderes Gefühl evozieren als den Wunsch,
mich drei Tage lang in einem verdunkelten Raum zu besaufen,
bin ich neulich auf ein Portrait von Werner Schwab gestoßen.
Da stand:
Werner Schwab war ein österreichischer Dramatiker der während
1990 – 1994 einem enormen Popularitätsschub erlag und in der
Neujahrsnacht auf 95 an einer Alkoholvergiftung starb.
Meistzitierter Satz: „Wir sind in die Welt gevögelt und können nicht
fliegen"
Na aber hallo, dachte ich, das klingt doch schon mal nicht
schlecht. Also bin ich gleich mal los und hab mir seine
Werke zu Gemüte geführt. „Fäkaliendramen“ heißt eines
(die Titel so vielversprechend) „Volksvernichtung oder
meine Leber ist sinnlos. Eine Radikalkomödie.“, ein anderes.
Schön langsam begann ich konkret zu hoffen. Aber natürlich,
wie immer: De nada. Eine Enttäuschung. Das übliche Übel.
Ich darf zitieren:
„Liegend erzählte Tagesgeschichten der Krankenwürste in den
männlichen Umständen. Der Hahn in der Krankenwurst steigt in
die Kirschbaumkrone. Der Kirschbaumschatten zieht einen weiblichen
Umstand an den Stamm. Ein Hahn sieht Federn, Flaum und Huhn.
Die Krankenwurst in den männlichen Umständen sieht einen Krieg
im Schatten der Henne und springt. Der Hahn verwischt das Gewicht
des weiblichen Zustands und bricht ihm das Rückgrat.“
Aus: „Die Krankenwurst“
Laut F. Scott Fitzgerald hat ein amerikanisches Leben
keinen zweiten Akt. Mag sein, aber ich hab häufig das Gefühl,
ein österreichisches schafft es in aller Regel nicht mal auf die verdammte
Bühne. Und wenn doch, dann aus lauter falschen Gründen.
Ich bin am Saufen, und Gott gnade jedem, der den
Lichtschalter auch nur ansieht.
Seeman
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DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Was bisher geschah:
SeemanSalztod [77 79 81 83 85 87 89 91 93 95 97 98 102 104 106 108 110 112 114 116]
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Horazio [59 61 63 65 67 69 71 73 75]
Horazio [1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 100]
Claire Grange [39 41 43 45]
Laura [2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26]
Madame Kiwi [31 33 35 37]
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