DIE DONNERSTAGSKOLUMNE


Manchmal kommen sie wieder

Ein irrer Pädagogikstudent im dreiundzwanzigsten Semester der Jack-Nicholson-mäßig grinst, während er das Flugzeug auf Kollisionskurs bringt … Das ist ja mal ein erhebendes Urlaubsbild. Apropos „irr“ (immer diese Überleitungen!)

1) Im Wiener Museum für angewandte Kunst kann man derzeit die Ausstellung "Otto Muehl - Leben/Kunst/Werk – Aktion Utopie Malerei" bewundern. Eine Würdigung des „künstlerischen“ Lebenswerkes

2) Diesen Montag wurde Günter Brus der mit 18.168 Eypos dotierte Oskar-Kokoschka-Preis zugeeignet, weil er angeblich „zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts zählt“

Problem ad 1)


Abseits jeglicher Meinung, die man über Mühl als Künstler vielleicht haben kann, impliziert diese Würdigung seine Utopie der Aktionsanalytischen Kommune, die ab den Siebzigern im Friedrichshof im Burgenland wucherte und 1990 aufgelöst wurde, weil Mühl wegen Unzucht mit Minderjährigen verknackt wurde. Wie die meisten Menschen kenne ich nur eine Sicht der Dinge, nämlich das Buch des Exkommunarden Andreas Schlothauer: „Die Diktatur der freien Sexualität“, bin also vermutlich nicht sehr objektiv. Aber was da geschildert wird, ist bar jeder Humanität. Der sexuelle Missbrauch von Kindern durch Mühl ist Fakt. Ob er ein genialer Künstler ist oder einfach nur spinnt, bleibt unerheblich. Ich bin zwar nicht der Meinung, man müsse gleich die gesamte Ausstellung boykottieren, aber aus Respekt vor den Opfern gehört wenigstens der Kommunenpart rausgeschmissen.

Problem ad 2)

Falls jemand nicht weiß, wer Günter Brus ist: Derjenige, der sich 1968 im Zuge der „legendären“ Uni-Aktion entkleidete, sich mit einer Rasierklinge zerschnitt, seinen Urin trank, sich mit Kot beschmierte und onanierte, während er die Bundeshymne sang.

Ich bin aus vielerlei Gründen kein Fan des Wiener Aktionismus, weder als Gesamtkunstrichtung, noch einzelner Künstler. Vor allem aber, weil - so sehr ich auch instinktiv für alle Menschen Sympathie empfinde, die, auf welche Art auch immer, provozieren – meiner bescheidenen Meinung nach die pure, nackte Provokation als Selbstzweck zur Kunst nicht reicht. Genauso wie abgehobenes Sprachgeschwurbel à la Werner Schwab nicht der Selbstzweck zur Literatur sein kann. Letztlich ist sowohl die Literatur, als auch die Kunst nur das Werkzeug zum Vermitteln einer Botschaft.

Und wenn das Werkzeug selbst zur (ver)blendenden Botschaft erhoben wird, ja dann, finde ich, wird der ganze Kram einfach sinnlos und dient nur noch der geistigen Selbstbefriedigung des narzisstischen Künstlers.

Traurigerweise finden sich aber immer genug Deppen, die auf so was stehen.

Seeman





DIE DONNERSTAGSKOLUMNE



Was bisher geschah:

SeemanSalztod
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Eleg
[101 103 105 107
109 111 113 115
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Mercedes
[29 47 49 51
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62 64 66 68
70 72 74 76
78 80 82 84
86 88 90 92
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Horazio
[59 61 63 65
67 69 71 73
75]

Horazio
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11 13 15 17 19
21 23 25 27 28
30 32 34 36 38
40 42 44 46 48
50 52 54 56
58 100]

Claire Grange
[39 41 43 45]

Laura
[2 4 6 8 10
12 14 16 18 20
22 24 26]

Madame Kiwi
[31 33 35 37]





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