DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
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Lieber Seeman, auch ich winde mich schlaflos des nachts in den Laken – zum einen, weil ich endlich verdammt guten Sex habe, zum anderen wegen der Kürzungen durch unseren Herrn Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und zum dritten weil ich mich frage, was unseren anspruchsvollen Leser und großzügigen Sponsoren noch interessieren könnte. Selbst der anfangs vielversprechende Herr Schwab ist für hemmungslosen Raubbau ungeeignet, und da mein Sexualleben bestimmt niemanden interessiert, möchte ich unsere glücklichen Nachbarn aus der Schweiz über die Kürzungen an den bayerischen Universitäten informieren.
„Sehr geehrte GermanistInnen, wegen der Stellenkürzungen hat die Bibliothek für Germanistik eine neue Öffnungszeit: Mo. 7.00 – 7.05. Di. – Sa. geschlossen. Die beiden Exemplare müssen vor Ort eingesehen werden. Kopieren nicht möglich. Abschriften müssen handschriftlich erledigt werden. Die Bibliothek befindet sich neuerdings im Aufzug der Technischen Fakultät und wurde mit den Bibliotheken sämtlicher anderen Sprachen sowie der Geschichte, Politologie, Musikwissenschaft, Archäologie, Orientalistik, Philosophie und der Psychologie zusammengelegt. Die Philosophische Fakultät musste aus Kostengründen in ein Laserzentrum für Zerstörungsfreie Kunststoffprüfung umgebaut werden. Wir danken für Ihr uneingeschränktes Verständnis.“
Nun ja, die Bibliothek. Das Gros der Studenten nahm ohnehin mit Staunen wahr, dass wir überhaupt jemals eine eigene gehabt hatten, denn bis zum fünften Stock waren die meisten noch nicht vorgedrungen; die Benutzung des Aufzugs schloss regelmäßig eine kostenlose Übernachtung in selbigem mit ein, an Wochenenden auch drei. Doch auch das Vorlesungsverzeichnis hat viel von seinem Schrecken verloren und besticht durch Übersichtlichkeit: Die Philosophische Fakultät bietet eine Sammelvorlesung an mit dem Titel „Europäische und Außereuropäische Literatur-, Kunst- und Geistesgeschichte von 1000 v. Chr. bis heute“, die von einem Informatikstudenten abgehalten wird, der wird nämlich auch bezahlt dafür. An der Philosophischen Fakultät mussten in diesem Jahr satte sechzehn Stellen gestrichen werden, ganz nebenbei auch meine, während die Technische Fakultät mal wieder neue Dozenten, Videobeamer und Kaffeeautomaten hinterhergeworfen bekommt, denn die alten waren immerhin schon über drei Wochen in Betrieb. Meinen letzten Kaffee (KAFFEE! KAFFEE!) habe ich letzten Sommer getrunken, als der Automat unserer Fakultät noch funktionierte und ich noch liquide war, nicht liquidiert.
Lieber Edmund, so war das aber nicht gedacht! Du hattest gesagt: fünf Prozent Kürzungen! Das allein hätte unser Bildungswesen, für das wir einst so bekannt waren wie für kühles, goldfarbenes Weizenbier, zerrütten können; das allein hätte Wissenschaftler in den Ruin, angehende Lehrer in ausweglose Verzweiflung und Generationen von Schülern morgens in die Kneipen getrieben. Dass die Verteilung deiner kleinen Kürzung zudem latent asymmetrisch aussieht, hattest du verschwiegen. Wegrationierung der Philosophischen Fakultät bei Exponentieller Expansion der Technischen, wo sie sich am Automaten nicht entscheiden können zwischen Latte Macchiato mit warmem Schaum oder kaltem oder einem kühlen, goldfarbenen Hefeweizen - Mann, das ist Scheiße. Echt.
Mit Verlaub, Herr Stoiber: Sie sind ein Arschloch.
So, jetzt geht´s besser. Es grüßt erleichtert
Ihre Eleg
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DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Was bisher geschah:
SeemanSalztod [77 79 81 83 85 87 89 91 93 95 97 98 102 104 106 108 110 112 114 116 118 120]
Eleg [101 103 105 107 109 111 113 115 117 119]
Mercedes [29 47 49 51 53 55 57 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 92 94 96]
Horazio [59 61 63 65 67 69 71 73 75]
Horazio [1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 100]
Claire Grange [39 41 43 45]
Laura [2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26]
Madame Kiwi [31 33 35 37]
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