DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Confessiones
Ich lutschte schon seit zehn Minuten. Ungelogen. Ich sog, schmatzte, leckte, strich mir die Haare zurück, lutschte weiter, es schmeckte süßlich, ich bekam einen Würgereiz und lutschte weiter. Ich begann mich zu langweilen. Wozu eine Beziehung, fragte ich mich. Wozu dieses nette Entgegenkommen, wozu das Lächeln, die dienende Geste, das Lutschen, dieses Jeden-Scheiß-Runterschlucken? Es war wirklich öde. Der Typ ist nett, keine Frage, aber ich hasse es, den Leuten einen zu blasen, echt. Ich tu´s nur aus Höflichkeit. Es gefällt den Leuten, und sie wollen es immer wieder haben, und wenn man eine Beziehung hat, sollte man nicht allzuoft nein sagen. Sonst kommt gleich die Schiene „aber ich hab doch gestern erst den Müll weggebracht“ oder so.
Nach einer Viertelstunde war er dann endlich soweit, er stöhnte noch ein bisschen glaubwürdiger, spritzte mir sein lauwarmes Sperma in meinen ermüdeten Mund, stöhnte irgendwas Unverständliches, und ich konnte meinen Brechreiz nicht unterdrücken. Ich entschuldigte mich mit vollem Mund, deutete wild gestikulierend auf meinen Magen, stolperte zum Klo und kotzte wie ein Teenie nach einer Woche Wettsaufen. Mein Freund empfand das nicht als Kompliment und brachte das Thema sofort brühwarm aus dem Bett auf den Tisch. Ich würde ihn nicht lieben, wen man liebt dessen Sperma sei wie Wein, süß und voll und sinnlich, ich sei kalt, ich würde kotzen wie es mir beliebe, ich wolle ihn verletzen, wen man liebt dessen Schwanz würde man am liebsten drei Wochen am Stück im Mund behalten.
So, sehr verehrte Herren: Hiermit stelle ich ein für alle Mal für alle Frauen klar, dass wir nicht gern Sperma schlucken, egal wie sehr wir Euch lieben. Wir haben auch keine Lust, uns ständig dafür zu entschuldigen. Im übrigen haben wir auch nicht die geringste Lust, an Euren Schwänzen zu saugen. Wenn wir es tun, dann aus freundlichem Entgegenkommen, nicht aus abgöttischer Verehrung, aus nymphomanischer Geilheit, phallophiler Enthemmung. Es ist auch keine Ehre für uns. Wir tun es wie man Hallo sagt, Wäsche wäscht, sich den Arsch abwischt oder allgemein freundlich ist: Man muss es machen, auch wenn es langweilig ist.
Was ich auch schon längst loswerden wollte: Es gibt keinen vaginalen Orgasmus. Rein anatomisch nicht möglich, weil unsere Vagina nicht genügend Rezeptoren besitzt, was schon allein wegen des unmenschlich schmerzhaften Geburtsvorgangs sinnvoll ist. Daher empfinden wir auch nicht das geringste Vergnügen, wenn wir mit einer Frequenz genagelt werden, die jeden Preßlufthammer in den Schatten stellt. Wir finden es nicht geil, wenn wir fünf Minuten an die Wand gefickt werden, dass wir nicht wissen wo oben und unten ist und wir hinterher unsere Geschlechtsteile einzeln zusammensuchen dürfen. Pinkeln macht besonders viel Spaß, drei Tage lang danach noch, da lernen wir endlich mal überzeugend aus voller Kehle zu stöhnen. Kurz: Kampfficken ist Scheiße, tut weh und ist langweilig. Schwanz schnell rein raus abspritzen mag evolutionstechnisch betrachtet sinnvoll sein (je kürzer, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, während des Koitus von anderen Tieren unterbrochen zu werden), hat aber jeden Vorteil verloren, seit die Weibchen den Vorgang gelegentlich selber unterbrechen können. Mal ehrlich, Jungs, Ihr seid doch keine Arschlöcher, denen es egal ist, was die Frau, die ihr gerade fickt, dabei empfindet, oder? Ich stell mir das ja ein bisschen armselig vor, wenn ich einer mein edles Teil reinstecken würde, die das völlig kalt lässt.
Oh, Eure Frauen, meint Ihr, stöhnen aber nach allen Regeln der Kunst? Glückwunsch. Da habt Ihr eine, die nett zu Euch ist. Die weiss, wie man sich verhalten sollte, wenn man ein braves Hündchen sein will, das Herrchen glücklich macht. Im Fernsehen, im Kino, in der Werbung, überall stöhnen sie, die Frauen, während gewaltige Stöße sie bis in die Gedärme erschüttern, sie werfen die Köpfe zurück, ihr Gesicht ein irres Lachen oder ein sentimentales Seufzen, und jedenfalls wirken sie so, wie ich wirke, wenn ich mir eine Tafel Schokolade reinzieh. Problem dabei: Sie lügen! Glaubt ihnen kein Wort. Nur Anatomie lügt nie.
Und jetzt, liebe Frauen: Hört mit dem Scheiß auf! Das müsst Ihr nicht machen, okay? Es gibt solche Frauen nicht, die nach zwei Minuten Turboficken brüllen wie eine brünftige Hirschkuh, die schwitzend ihre Nägel in den Rücken ihres göttlichen Stechers krallen und mehr! tiefer! schneller! winseln. Sie sind eine Erfindung. Wir werden ganz schön verarscht.
Und jetzt gehet hin in Frieden und mehret Euch. Aber richtig.
Erzürnt
Eure Eleg
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