DIE DONNERSTAGSKOLUMNE


Danke, Herr Handke

Aus den stenographischen Protokollen des internationalen Gerichtshofes. Peter Handke steht Schreibe und Antwort.

Haager Tribunal: Herr Handke, nachdem Ihr Name im Verzeichnis der 1.631 Entlastungszeugen für den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic aufgeführt wurde, zeigten Sie sich zunächst, ich zitiere: „überrascht, aber nicht abgeneigt“. Was sind nun die Gründe, die Sie letztendlich zu Ihrer Aussage bewogen haben?

Peter Handke: Ich wurde nun aber nicht endgültig etwas Verschüchtertes, Wesenloses. Ich fange an, mich zu behaupten. Weil ich mich nicht mehr zu zerfransen brauche, komme ich zu mir. Die Flattrigkeit legt sich. Ich zeige den Menschen das Gesicht, mit dem ich mich halbwegs wohl fühle.

H.T.: Aber trifft es nicht zu, dass Sie bei Ihren wiederholten Reisen, ich zitiere: „kaum Zeuge unmittelbarer Kriegshandlungen waren“?

P.H.: Es gab Brot und der Essensgedanke war es, das Selbstgebackene auf hölzernen Tellern gereicht zu bekommen. Es gab dort Apfelbäume, naturgemäß in voller Blüte stehend, ein grasnarbenumkranztes Blühen-Wollen, seit je in der Existenz sich behauptend, ohne dass freilich dieses aus dem Gesamtbildnis genommen werden könnte. Auch mit dem dargebotenen Tabak bin ich oft uneins gewesen - Wie, frage ich Sie, soll einer, der nicht raucht noch jemals rauchte noch die Absicht hat, jemals zu rauchen, beurteilen, ob das Grüne, das Satte, das Volle sich im Geschmack wie im angeahnten Geruch behaupten würde?

H.T.: Was sagen Sie zu den Vorwürfen des Tribunals an den Angeklagten?

P.H. [schreiend]: Sie Schießbudenfigur! Sie Lebergeschwellter! Sie Maulaffenfeilhalter! Sie seelentechnisch verlotterter Realitätsfanat! Wurstmensch!

H.T.: Mäßigen Sie sich, Herr Handke!

P.H.: Sie werden beschimpft werden, weil auch das Beschimpfen eine Art ist, mit Ihnen zu reden. Indem ich beschimpfe, kann ich unmittelbar werden.

H.T.: Aha. Waren Ihnen die Pläne des Angeklagten vor Ausbruch des …

P.H. [im Fieber]: Als ich „Verstörung“ von Thomas Bernhard las …

H.T.: Herr Handke …

P.H.: … nähme man sich in der Umgebung eines Gegenstandes aus, die einem ganz besonders die überstandene, eigene Verzweiflung bezeichnete: einer Waschschüssel mit abgesprungenem Email … Elektrokocher … schwarz, von der immer wieder übergegangenen Milch …

H.T.: Herr Handke …

P.H.: Ich werde diese in ihrer perfiden Grauslichkeit bezeichnenden Anwürfe nicht länger mittragen. In der Antike haben die Idioten abseits der Städte gelebt. Heute stehen viele Idioten in der Öffentlichkeit. Das ist das letzte Mal, dass ich mein Idiotentum öffentlich zeige. Ab jetzt könnt ihr mich vor Gericht bringen, wenn ich noch einmal im Leben öffentlich auftreten sollte. Hoppla, da bin ich ja schon … [verfällt ins Grübeln]

H.T. [aufatmend]: In Ordnung, Herr Handke. Wie Sie wünschen. Dann guten Tag und Danke für die Mitarbeit.

P.H.: Das hätten Sie wohl gern! Auch Hurrapatrioten Ihresgleichen – Es wimmelt seit je her von Ihnen – werden die Existenz (Anm. P.H.: meine) zur Kenntnis zu nehmen haben.

H.T.: Ja, das kennen wir schon von Ihnen. Seit bald vierzig Jahren. Gerichtsdiener; Abführen!

P.H. [zwischen Tür und Angel, schreiend]: Das war noch nicht das Letzte, was Sie gefälligst von mir gelesen haben!

H.T. [seufzend]: Das befürchten wir auch.





DIE DONNERSTAGSKOLUMNE



Was bisher geschah:

SeemanSalztod
[77 79 81 83
85 87 89 91
93 95 97 98
102 104 106 108
110 112 114 116
118 120 122 124
126 128 130 132 134]

Cynthia B. McKittchnique
[131 133 135]

Eleg
[101 103 105 107
109 111 113 115
117 119 121 123 125
127 129
]

Mercedes
[29 47 49 51
53 55 57 60
62 64 66 68
70 72 74 76
78 80 82 84
86 88 90 92
94 96]

Horazio
[59 61 63 65
67 69 71 73
75]

Horazio
[1 3 5 7 9
11 13 15 17 19
21 23 25 27 28
30 32 34 36 38
40 42 44 46 48
50 52 54 56
58 100]

Claire Grange
[39 41 43 45]

Laura
[2 4 6 8 10
12 14 16 18 20
22 24 26]

Madame Kiwi
[31 33 35 37]





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