DIE DONNERSTAGSKOLUMNE


Pleitegeier & Heldenseppen

Werte Madame M.!

Zu meinem allergrößten Leidwesen muss ich Ihnen also mitteilen, dass weder Black Mamba Swastika, noch Ihr Herrenduftfetisch, noch Ihr viel zitiertes Solo für Klitorette, sowie jegliches weitere Ihrer zivilisationären Völlegefühle mich sonderlich zu beeindrucken vermögen.

Schon mal nicht überhaupt, und zu Zeiten des Ingeborg-Bachmann -Wettödens lebe ich generell strikt enthaltsam, aus evolutionärer Bonhomie. Vielleicht, wenn ich mit meinem Erbgut geize, stirbt ja die Menschheit irgendwann aus und dann gibt’s auch keinen Ingeborg-Bachmann-Preis mehr. Wer kann schon ahnen, welche Verirrungen das Produkt einer unachtsamen Nacht irgendwann dahin bringen mögen, in Klagenfurt zum Namen Programm zu machen?

Ich weiß, dergleichen findet nicht Ihr Wohlgefallen. Aber wenn ich mich hier schon so bemüht in die Pose der außerliterarischen Opposition werfe, dann muss etwas postmoderne Heiligenschändung auf jeden Fall mit drin sein, finde ich. Unreflektiert natürlich, sicher, denn menschlich sind wir doch eh alle leiwaund. Die Jury zu zahm, die Autoren zu unrebellisch, wenigstens keine Kotz-und-Rotz-Texte mehr, lese ich im Feuilleton. Ja, was? Da ist jedes Fitzelchen Kotz`n`Rotz noch vorzuziehen, wenn das dann die Antwort ist. Aber ich bin ja auch noch im Sturm`n`Drang.

Sei´s drum. Es gibt ja doch, im Grausen abgewandt, noch positives zu bemerken.

Zum Beispiel (1) das Viech der Woche, den Bartgeier (Gypaetus Barbatus), dessen Wiederansiedlung in den europäischen Alpen geglückt ist. 2004 wurden fünf Jungtiere durch frei lebende Bartgeierpaare großgezogen und letzten Freitag wurden nun zwei weitere Nestlinge in Tirol freigelassen. Diese drei Zeilen im Wochenendblatt haben bei mir mehr seelische Nuckelbewegungen ausgelöst als alle Juli Zehen und Schläfe in Uhren (nicht nur da) zusammen. Es lebe der Bartgeier! Go, Geier, Go! Und zwar hin und mehre dich.

(2) Konnte ja kein Mensch ahnen, am allerwenigsten ich, dass in mir so was wie der formidable Dostojewski der österreichischen Provinz steckt. Was hätte mir dieses Wissen Magengeschwüre und AMS-Generve und Lohnsteuergeausgleiche erspart. Mit Stolz darf ich berichten, dass durch ein geniales System aus Halbzeitwetten, guten Quoten und blindem Glück das Land der Woche  die Griechen unter der Führung von Otto Rehaklesopopolis mir dankenswerterweise meinen Einsatz von kärglichen 10,- Eypos mit satten 290,- wieder ausbezahlt hat! Das lässt sich sehen. Ich sag ja immer, die Griechen, die Griechen, aber auf mich hört ja keiner. Man muss nur wissen wie. Und wo. Denn so sehr ich auch üblicherweise ein Verfechter jeglicher Multikulturalität bin, sind mir die wie Giftpilze um den Hauptbahnhof wuchernden Wettbüros in denen das ausnahmslos balkanische Klientel den Paten I-III ungefähr 2000 mal zu oft gesehen hat, dann doch etwas zu viel des Guten. Mir reicht schon die Schlange vorm Automat an der Tanke, wo sich zwanzig Paar Südländeraugen um den jeweiligen Wettkönig scharen, damit ihnen auch ja nicht entgeht, ob er vielleicht noch einen Tip abgibt, wer als erster schwul wird bei Big Brother The Battle.

Ja, so ist das. Und, als Folge dessen, kann ich überdies einmal mehr einen sozialgeschichtlich ungemein lehrreichen Schwank meiner gloriosen Heimat zum Besten geben, denn: Mein plötzlicher Reichtum musste ja gefeiert, respektive begossen werden, also begab ich mich mit meinen Wahlverwandschaften in die nächste Lokalität, wo wir in alter Tradition ein Überbleibsel adoleszentären Deppertseins aufgriffen: Das Tafelsaufen. Sprich: Jedes an der Wand angeschriebene Getränk muss pro Penis einmal auf Ex-oder-denselben-am-Tisch konsumiert werden, und wer den Long Island Iced Tea zum Schluss noch runter bringt, ohne die Gesichtsfarbe zu wechseln, der ist aber wirklich mal ein echter Kerl und hat so viel Haare am Sack, dass man ihnen sogar mit einer Häckselmaschine nur schwerlich beikommen könnte. Zwischen „U-Boot“ und „B 52“ fand sich dortselbst zu meiner allergrößten Erheiterung ein Strange Brew (kill what`s inside of you) mit dem sinnigen Namen „Appinger Sepp“, in dem sich im Grunde so ziemlich alles befand, hauptsächlich aber Rum.

Auf mein Anfragen hin erzählte mir der Wirt die köstliche Legende zu dem alles andere als köstlichen Gesöff: Besagter „Appinger Sepp“ hatte vor zwanzig Jahren einmal im tiefsten Winter volltrunken jene Lokalität verlassen und war auf dem Heimweg im Schnee zusammengebrochen. Dort lag er die ganze Nacht und als ihn Schulkinder am nächsten Morgen entdeckten, war er zwar blaugefroren und hatte etliche Extremitäten weniger, aber immer noch am Leben, weil der tobende Alkohol in seiner Blutbahn ihn konserviert hatte. Daraufhin wurde seine Zeche rekronstruiert, in einen Kübel zusammengeleert und ist bis heute unter seinem Namen erhältlich.

Der Andreas-Hofer-Kult und so weiter hat ja für mich irgendwie nie wirklich funktioniert, aber als ich das hörte, wusste ich, ich habe wieder einen Helden, der es verdient, in Epen besungen zu werden.

Seeman





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Was bisher geschah:

SeemanSalztod
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Cynthia B. McKittchnique
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Eleg
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Mercedes
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Horazio
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Horazio
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Claire Grange
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Laura
[2 4 6 8 10
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Madame Kiwi
[31 33 35 37]





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