DIE DONNERSTAGSKOLUMNE


Im Auftrag des Herrn

Okay, ich erkenne die Zeichen der Zeit: Meine letzte Kolumne erregte das Missfallen des Forums. Aber ich musste einfach einen Knallfrosch in die Bärenhöhle werfen, nur mal so, um zu sehen was passiert. Augenscheinlich nicht viel. Bubendummheiten. Anyway. If Mr. Wilhelm is ready to take over again … an mir solls nicht liegen. Immerhin ist das hier seines Geistes Kind, dem ich bloß erlaube, länger aufzubleiben und sich schweinische Filme anzusehen, im Deal gegen den Hausbarschlüssel.

Lustig. Ich lese dauernd lustig. In den unsterblichen Worten von Horaziony Rotten bei der Sex-Pistols-Reunion: „Was hier lustig ist bestimme immer noch ich!“ Zwar nicht im Bezug auf lustig und wer was bestimmt, aber dafür ging`s um Punk. Die Donnerstagskolumne hat nicht lustig zu sein, liebe Leute. Die Donnerstagskolumne ist - nach Kästner – der wirklich letzte UrUrUrUrUrUrUrUrenkel der Aufklärung. Ein Ideal. Eine Institution. Die letzte Bastion des Moralischen Niedergangs. Eine subkulturelle Verwerfung der Postmoderne. Der frisch gebumste Wellensittich des Humanismus. Ja.

Da ich mich somit also berufen fühle, es den ehrenwerten Fanatikern der Personalprälatur „Opus Dei“ gleichzutun und „immerwährend Gott in der Arbeit und im täglichen Leben zu suchen“, muss ich beispielsweise mein Erstaunen darüber bekunden, jüngst auf einem populären Jugendsender internationalen Formats eine einstündige, strikt unhinterfragte Methylendioxymethylamphetaminbeweihräucherung gesehen zu haben, dem trendigsten aller Phenylethylamine. MDMA. Kurz: Ecstasy.

Coole Sache. Da war beispielsweise ein Typ, der hatte Knochenkrebs und seine Freundin hat ihn gefilmt, wie er was knarzte und sich plötzlich wieder bewegen konnte. Schnitt. Danach sah man die Freundin mit seiner Urne trippen und während sie mit der Asche spielte fühlte sie sich ihm „jetzt total nah.“ Und auch so ein DJ, der mit acht Freunden was einwarf und dann in seiner Eigentumswohnung einen Handstand machte, durfte natürlich nicht fehlen. Der meinte, wenn man verantwortungsvoll damit umgeht, sei das überhaupt kein Problem. Während er im Handstand war. Stimmt. Keine weiteren Fragen.

Das trifft übrigens auf so ziemlich alles zu. Und da ich, wenn ich nicht gerade bei Nacht und Nebel der Nachbarschaft „Liebeskreuze“ in die Vorgarten schnalze (wundervoller Artikel gestern: Zwei Französinnen haben eine „Privatoffenbarung“ von Jesus Christus persönlich erhalten – und ich dachte schon, ich bin allein – der ihnen dezidiert auftrug, auf der Welt tausende „Kreuze der Liebe“ aufzustellen. Offensichtlich hat das aber doch nicht ganz so reibungslos funktioniert, mit der unbefleckten Empfängnis, wie sie uns immer erzählt haben, scheinen doch die Zimmerergene des irdischen Vaters überdeutlich präsent im Herrn und das Maßband stets im Talon. Die Liebeskreuze müssen nämlich exakt 7,38 Meter hoch sein. Nicht 7,37 und auch nicht 7,39. Das Liebeskreuz, nur echt mit 7,38 Metern, jetzt in jeder Juniortüte. Lobet den Herrn!) an meinem natürlichen Habitat rumschustere, auf dass es eines Tages der freien Entfaltung meines spirituellen Selbst Nicht länger auf der Prostata liege, werden ich jetzt der heiligen Schrift des großen Gurus, seiner Gonzoheit, dem Duke Dr. Thompson, Hunter S., Folge leisten und zwar genau dieser Stelle:

„Well, there are very few things that can really beat driving around the Bay Area on a good summer night - big motorcycle, head full of acid - wearing nothing but a t-shirt and a pair of shorts and getting on that Highway 1 going 120 miles an hour. That's a rush of every kind - head, hands - it's everything put in a bundle. Because first of all, it's a rush, and also it's maintaining control and see how far I can go, how weird I can get and still survive, even though I'm seeing rats in front of me instead of cops. Rats with guns on …”

Allerdings muss ich in Ermangelung der Bay Area, eines großen Motorrads, Lysergsäurediethylamidtartrat-25s, dem Highway 1 und der Möglichkeit, 120 Miles an hour zu machen etwas improvisieren. Deshalb werde ich nun verantwortungsvoll mit meinem Fahrrad umgehen und einmal um den Block fahren, den Kopf voll mit ... der Suche nach geeigneten Plätzen für mehr Kreuze und der Gewissheit, das einzig Richtige zu tun. Und da ich die Haare lang und offen trage, werde ich verdammt cool aussehen, dabei.

Es sind nur 7,38 Meter zu einer besseren Welt!

Finger weg von meiner Urne,

Seeman

PS: Apropos Suchtprävention. Vergesst „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ und Peer Groups und Dias von eiterverkrusteten Kanülen neben scheißeverkrusteten Klomuscheln – Woodstock Diaries Directors Cut kaufen, DVD-Player anwerfen, Kapitel 9! Das was Joe Cocker da macht, liebe Kinder, das hält er möglicherweise auch gerade für die Perfomance des Jahrhunderts. Der ungetrübte Geist aber, der erkennt die grausige Wahrheit. So werdet ihr enden. Bevor ihr in die Hölle kommt.





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Was bisher geschah:

SeemanSalztod
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Eleg
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Mercedes
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Horazio
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Horazio
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Laura
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