DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Im Sommerloch, aber im falschen
[Ein strahlender Augustmorgen. Nationalratspräsident Andreas Kohl
und der Generalsekretär der ÖVP, Reinhold Lopatka, bei Wanderexerzitien
am Kärntner Magdalensberg]
Kohl: Gemma, Reini, gemma. Zack. Zack. Tu einmal was für
dein Geld.
Lopatka [keuchend]: Geh Andi ...
[Mobiltelefonklingeln ertönt]
Kohl: Kruzitürkn, im Urlaub! Na das mag ich. [Nach einem Blick
auf das Display] Hö, da Chef. [Drückt auf den Knopf] Woiferl,
wos is?
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel [kreischt]: Die Warmen! Die Warmen
wollen heiraten!
Kohl [entsetzt]: Um Gottes willen! Des auch noch!
Schüssel: Ich hab fast einen Herzpatschen bekommen. Und meine
Frau, die hat im Salzkammergut so einen Schock, dass sie gar nicht mehr zum
Heilfasten aufhören kann.
Kohl: Des glaub ich. Na habe die Ehre!
Schüssel: Urlaub ist gestrichen. Da muss was geschehen. Eine Arbeitsgruppe
gehört her, aber umgschaut! [Legt auf]
Kohl [mit sorgenvoller Miene zu Lopatka]: Schau, Reini, die Bäume, die
Bienen,
die Blumen. Is des ned wundervoll? Olles hat seine Ordnung. So wie
Mann, Frau und Kind. Hach ja. [Rauft sich bedeutungsschwanger das
verbliebene
Haupthaar] Aber die globale Erwärmung ...
* * *
[Eine konspirative Wohnung in Wien, nähe Ballhausplatz. Die
ÖVP-Elite geht in sich. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel,
ausgezehrt und abgehärmt wie ein brahmanischer Asket
nach seiner alljährlichen Meditation im Kloster und den
Rebirthingversuchen im Wolfgangsee, verfolgt mit zunehmender
Fassungslosigkeit die Ausführungen des steirischen Clubchefs
Christopher Drexler]
Drexler: ... und nachdem ich also schon seit Jahren in diversen
offenen Debatten für mehr Liberalität in der Partei eingetreten
bin, finde ich ... also bin ich der Meinung wir sollten ... eh grad
so ein bisserl ... die homosexuellen Lebensgemeinschaften ... äh
Schüssel [greift sich an den Kopf und ruft]: Aus der Partei! Nein,
dass ich das noch erleben muss. Quasi ein Dolchstoß in den Rücken aus den
eigenen Reihen ... da ist es ja kein Wunder, wenn ...
Kohl [erschrocken]: Pssst, Woiferl, pssst. Kalmier dich.
Ich versteh dich ja, aber das ist eine ganz unkluge Wortwahl.
Wenn das einer hört ... [blickt verstohlen
zu der Dollfuß-Büste auf dem Steinway] ... man kann nie
wissen.
[Der geschäftsführende Obmann der Wiener ÖVP, Johannes Hahn, gibt sich
einen sichtlichen Ruck und steht auf]
Hahn: ... ähm ... jo, aber das gleichgeschlechtliche Partner ned in
Hospizkarenz
Gehen können, des is aber schon ein bisserl ... äh ... inhuman oder so.
Schüssel [drohend]: Et tu, Johannes?
[Hahn fällt in den Sessel zurück, legt die Hände in den Schoß und
zählt stumm seine Tage in der Partei. Eine brünette Enddreißigerin
räuspert sich und sagt]: Oiso, diese Homos, die haben in meinem
Wertebild keinen Platz!
Schüssel [zu Kohl]: Wer is denn des?
Kohl [grinsend]: Weißt eh; das Boxenluder.
Justizministerin Karin Miklautsch [errötend]: Schon in der intimen
Aussprache mit dem Jörg hab ich ihm gsagt, dass ich diese Bezeichnung
als unqualifiziert und herabwürdigend erachte und ich es mir auf das
Energischste
verbiete ...
Schüssel: Wos is mit ihr?
Kohl: Was weiß denn ich? Weiber! Die sind doch nach die Warmen gleich
das Nächste. [Zu Miklautsch] Gusch Kadl! Wenn
Erwachsene reden hast du Pause.
Schüssel: I versteh des ned. Jetzt dürfen`s eh schon jedes Jahr
in diese bunten Fetzen um den Ring ziehen und sogar den
Opernball moderiert schon einer von die. Und jetzt wollen`s
auch noch heiraten. Die sollen ruhig weiter nach Holland
fahren und wenn`s nach mir geht, auch gleich dort
bleiben. Des sind doch keine richtigen Menschen. Viecher sind
des! Die Welt steht nimmer lang!
Lopatka [murmelnd]: Da gibst ihnen den kleinen Finger, vastehst, und die ...
Kohl [donnernd]: Wem gibst du den Finger?
Lopatka [errötend]: Geh Andi ...
Kohl [donnernd]: UND BEWEG DEINE HAND NICHT SO FEMININ!
Lopatka [fast unhörbar] Geh Andi ... wos is denn? Sei mir doch nicht immer
gleich
so feind ... du unlieber Kunt, du ...
Kohl: Es hat sich ausgeandiit. Da hört sich der Spaß auf!
So fängt`s nämlich an. Zucht und Ordnung
ghört her! Ihr werdet`s euch noch anschaun! ORA, LABORA
UND KINDERKRIEGEN!!! So schaut`s aus!!!
Schüssel: Hört, hört. Drück`s ihnen nur rein, Andi, is schon recht. Des darf
ruhig weh tun. Also, horcht`s her, Burschn. Ihr sagt`s die Deppen von der
Presse das übliche, nämlich das wir den Gleichstellungsschmarrn in
aller Offenheit diskutieren müssen und dass wir eine Arbeitsgruppe
bilden werden ...
Kohl: Okay. Genau.
Schüssel: ... und dann mach ich auch das Übliche und sag erst amal
gar nix. Das hat bisher auch wunderbar funktioniert.
Kohl [träufelt Feuerzeugbenzin auf einen Brieföffner, zündet ihn an
und erhebt sich]: Und ich werde derweil ein bisserl Furcht unter
den Gottlosen säen ...
Schüssel: Also alles wie gehabt. Hopp. Gemma. Auf und der Sau nach.
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DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Was bisher geschah:
SeemanSalztod [77 79 81 83 85 87 89 91 93 95 97 98 102 104 106 108 110 112 114 116 118 120 122 124 126 128 130 132 134 136 138 140 142 144]
Cynthia B. McKittchnique [131 133 135 137 139 141 143 145]
Eleg [101 103 105 107 109 111 113 115 117 119 121 123 125 127 129 ]
Mercedes [29 47 49 51 53 55 57 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 92 94 96]
Horazio [59 61 63 65 67 69 71 73 75]
Horazio [1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 100]
Claire Grange [39 41 43 45]
Laura [2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26]
Madame Kiwi [31 33 35 37]
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