DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Okay Laura,
ich habe Deinem Rat Folge geleistet und hielt mich an Sylvester vom Grossstadt-Trubel fern. Eigentlich feiern wir ja traditionellerweise den Übertritt vom alten ins neue Jahr, welcher neutral gesehen, neben einer urchigen Kosovo-Spätkriegsstimmung (rein Optisch-Akustisch) und ein paar süssen Neujahrsküsschen, gar nichts Spezielles an sich hat, im Kreise der engeren Familie. Für dieses Jahr habe ich mich jedoch, zugunsten einer Feier bei Freunden, von den Angehörigen absentiert. Das Fest war dann auch wirklich gelungen. Feines Essen, gute Getränke, schöne Umgebung, nette Menschen... alles pico-bello... bis auf eine winzige Kleinigkeit:
ICH WAR VERDAMMT NOCH MAL ALS EINZIGER SINGLE AN EINEM PÄRCHENTREFF!!!
Und ich muss jetzt ja nicht bis ins allerhinterletzte Detail schildern, was das bedeutet und wie einsam, verlassen und ungeliebt man sich dann um Mitternacht vorkommt, wenn die Verliebten, Verlobten und Verheirateten sich in den Tiefen ihrer Blicke verlieren, ungehemmt ihre Zungen tanzen lassen, sich eine wunderbare gemeinsame Zukunft versprechen und wenige Minuten nach dem Transient, versunken in Gedanken an das bevorstehenden sexuelle
Einrammeln des neuen Jahres, beginnen sich fein säuberlich aus dem Staube zu machen (die Männer mit bereits leicht gedellten Hosenställen). In solchen Momenten sieht mein geistiges Auge ziemlich oft Bilder von mir selbst sehr stark ähnelnden Personen, die auf weissen Kacheln mit offener Pulsader umherzucken, an Hanfseilen baumelnd Hampelmännchen klatschen oder den Gaumen mit Schusswaffenläufen massieren, vorüberziehen. Aber was soll der ganze Selbstmitleid verdammt. Dafür bin ich frei, kann tun und lassen was ich will, kann mich nach schlecht anvisierter Darmentleerung ohne Bürsteligebrauch von der Toilette entfernen, kann während dem Zähneputzen stehend (daneben-)pinkeln, kann nach dem Sex mit mir selbst sofort einschlafen ohne mich noch stundenlang zu liebkosen, kann Gamen bis die Plastikblende von der PS2 fliesst, kann Schnarchen, Rülpsen, Furzen, Hodenkratzen und Popeln.
Apropos da fällt mir spontan wieder ein, was ich Dir eigentlich erzählen wollte.
Ist Dir, liebe Laura, eigentlich schon mal aufgefallen, wie befremdend wir Menschen mit unseren ganz urinstinktiven Trieben und Verhaltensweisen umgehen? Ja das ist Dir natürlich längst aufgefallen, was Dich aber leider kaum von einem kleinen Buchstaben-Erguss meinerseits zu diesem Thema hüten wird. Vielleicht glaubt ja aber der/die eine oder andere Kolumnenleser/in (das wären dann jetzt Sie) jedoch gänzlich mit sich, seinem/ihrem Körper, seinen/ihren Körperflüssigkeiten und der Umwelt im Einklang zu sein? Dann prüfe der/die Besagte doch folgende drei Situationen und Fragen. Jedes einzelne klägliche Ja wird meine Feststellung fundamental betonieren.
Situation und Frage 1
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Sie sitzen in einem öffentlichen Restaurant und hören von der Toilette ein Kind (weiblich, ca. 4 Jahre) in gellender Hysterie schreien: "Mami Füdli butzä!!!"
Frage: Ist Ihnen das peinlich, obwohl es Sie gar nicht direkt betrifft?
Situation und Frage 2
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Sie nehmen an einer Instruktionsstunde in einem Fitnesszenter teil. Bei der dritten Wiederholung an der Beinaufspreitz-Aduktoren-Maschine flatulieren Sie ungewollt.
Frage: Ist Ihnen das peinlich (richtig bemerkt, jetzt sind Sie direkt betroffen)?
Situation und Frage 3
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Ihre Mutter ertappt sie beim onanieren/masturbieren.
Frage: Ist Ihnen das peinlich? Und wenn Nein wie sieht es im Ejakulationsfall aus?
Bonusfrage: Können Frauen sich selbst durch Masturbation bis zur Ejakulation treiben ?
Ich bitte Sie, Ihr persönliches Resultat im Forum kund zu tun, damit auch die Welt der akademisch geformten Wissenschaft an meinen Experimenten uneingeschränkt teilhaben kann.
Vielen Dank
Horazio, 02:47, 3.1.2002
PS: Der Bademeister verweilt übrigens in Wien und kehrt erst am Freitag zurück!
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