DIE DONNERSTAGSKOLUMNE


St. Krampfader



Sollte aus irgendwelchen mysteriösen, nicht nachvollziehbaren Gründen meine Zukunft als revolutionärer Nachkriegsliterat so oder anders also nicht stattfinden, baue ich als Plan B insgeheim auf die Seligsprechung durch mein moralisches Mutterschiff, formaly known as die Katholische Kirche. Geradezu lächerlich simpel bedarf es dafür nämlich nur zweierlei:

a) des Märtyrertodes oder
b) eines Wunders

Pfff, das ist ja nicht eben spannend. Da hat mich so mancher ölsabbernde warzenverunzierte Endgegner in diversen Ego-Shootern bedeutend mehr gethrilled.

Ich erwähne dies, da am 3. Oktober im Jahr des Herrn 2004 der letzte Österreichische Kaiser, Karl I., Gott hab` ihn selig und wir bald auch, von Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz eben das wird, nämlich. selig. Gesprochen. Könnte mir wurscht sein. Ist es auch. Mich fasziniert nur die mediale Diskussion um die Legitimation dieser Seligsprechung, die in einen formidablen „Kirchenstreit“ ausartet, darf man den Medien glauben, was ich aus Prinzip nicht tue.

Problematischerweise verschied der letzte regierende Habsburger nämlich höchst unmärtyrerhaft an einer Lungenentzündung im Exil auf Madeira. 34-jährig. Tja. Kann passieren. Was also braucht`s, um unseren Karli eingehen zu lassen ins Reich – oder zumindest die Liste – der Seligen? Richtig. Ein Wunder! Bloß, woher nehmen und nicht seines nächsten Gut begehren?

Und siehe da, wer suchet, der findet, oder zur Not auch erfindet: Im Jahr des Herrn 1960 nämlich, da trug es sich zu, dass eine Brasilianische Ordensschwester von einem argen, vernichtenden Leiden befallen war, welches einen Gutteil der Menschheit unverdient heimsucht – Nein, oh Brüder und Schwestern, nicht der Hunger, auch nicht die Cholera oder der Genitalpilz; Die arme Frau hatte Krampfadern. Erschüttert fühlen wir mit ihr. Aber die patente Frau reagierte pragmatisch und richtete, anders als der Durchschnittschrist, kein Spendenkonto ein, sondern ihre inbrünstigen Gebete um Linderung an den verschiedenen Kaiser, den Herrn Karl. Dieser donnerte auch sogleich aus dem Elysium hernieder: „MÖGE DAS BLUT WIEDER UNGEHINDERT DIE SCHLUSSUNFÄHIG GEWORDENEN VENENKLAPPEN DIESER REDLICHEN FRAU DURCHTOSEN!“

Und siehe da, die Krampfadern waren verschwunden … wunde … WUNDER!

Oh Karli, wenn Du da oben bist – Auch ich härme mich in einem furchtbaren körperlichen Gebrechen. Vornehmlich nach dem oralen Konsum untergäriger Hefewässer gebärdet sich mein Verdauungstrakt übel und vor allem riechend. Ich bitte Dich inniglich, walte Deines Amtes und erlöse mich und vor allem meine Umwelt von diesem Bösen, in Ewigkeit, Amen. Dann werde auch ich mich einfinden unter den 10 000 Pilgern am Petersplatz und Deine Herrlichkeit besingen,

so wahr Du mir helfest,


Seeman





DIE DONNERSTAGSKOLUMNE



Was bisher geschah:

SeemanSalztod
[77 79 81 83
85 87 89 91
93 95 97 98
102 104 106 108
110 112 114 116
118 120 122 124
126 128 130 132 134 136
138 140 142 144 146 148]

Cynthia B. McKittchnique
[131 133 135 137
139 141 143 145
147 149]

Eleg
[101 103 105 107
109 111 113 115
117 119 121 123 125
127 129
]

Mercedes
[29 47 49 51
53 55 57 60
62 64 66 68
70 72 74 76
78 80 82 84
86 88 90 92
94 96]

Horazio
[59 61 63 65
67 69 71 73
75]

Horazio
[1 3 5 7 9
11 13 15 17 19
21 23 25 27 28
30 32 34 36 38
40 42 44 46 48
50 52 54 56
58 100]

Claire Grange
[39 41 43 45]

Laura
[2 4 6 8 10
12 14 16 18 20
22 24 26]

Madame Kiwi
[31 33 35 37]





Das Forum
gib deine Meinung zur Kolumne
oder sonst was

da... hinein