DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
verehrter Horazio..
tut mir leid, dass du so ein partybomben-bleigiessen mit wir-lieben-uns-bis-ins-nächste-jahrtausend-paaren miterleben musstest. ich hoffe, du hattest wenigstens genug alkohol..
ich für meinen teil konnte für einmal endlich den verhassten luftschlangen und der fruchtbowle meiner mutter entgehen. nazikultur pur: wien
das "einchecken" in den nachtzug und das verlassen der heimat war gar nicht mal so einfach und ich fühlte mich schon ein wenig verloren. gott sei gedankt, dass auch auf einer zugsreise die schweizerische tracht -die adilette-getragen wird und ich so von einem plötzlichen kulturschock bewahrt wurde.
um 7:00 am nächsten morgen (die chicken-nuggets vom vorabend blieben zum glück an ihrem platz) hab ich mich als erstes nach alter japanischer origamikunst aus dem schlafsarg entfaltet und mir über dem 12cm2 grossen brünneli den reisestaub von der zunge gebürstet. nach dem folgenden deluxe-zmorge, bestehend aus 2 scheiben vollkornkork und einer halben tasse wasser mit kaffeearoma, waren dann meine blähung auf dem höhepunkt und ich hätte in einem gummiboot über den atlantik furzen können.
das hotelzimmer war hingegen fantastisch! ich konnte die ideale temperatur per kurz-fensteröffnen-intervallen leicht regulieren (das nasenbluten hörte dann auch auf), das badezimmer überfluten und wenn ich ganz nah ran ging, auch einen tierfilm auf dem 9 zoll fernseher entziffern.
erfrischt und voller tatendrang und vorfreude, genoss ich dann ein richtig österreichisches festmahl: 3 sushirollen, 1 döner und 2 berliner später gings dann ans erörtern des perfekten standpunktes für den jahreswechsel. romantisch wie ich nun mal bin wollte ich das schillingbegräbnis im freien erleben, was sich als volltreffer herausstellte: was sind schon ein paar frostbeulen am hintern, wenn man die frische bierluft in schunkeliger schiessbudenumgebung erleben darf und gleichzeitig openair-punsch aus openair-bechern auf nem openair-event reingeschütte darf. das romantische ambiente wurde zusätzlich noch durch die vielen secondhand-pullis aus selbstgehäkelter schafschurwolle erwärmt, die hüpfend ein alternativ-feuerwerk auf dem abgesifften rasen hinzauberten. in dieser herrlichen gemeinschaftlichkeit (es fehlte nur noch das lagerfeuer für das kumbaya-singen mit dem biendli-führer (lies: FüRRERRR!!!)), prostete ich auf ein neues jahr mit grossen verheissungen an.
servus 2001, servus euro, servus Horazio
laura
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