DIE DONNERSTAGSKOLUMNE


Zur Sache, Schätzchen!

Liebes Christkind, Du hast mich letzthin einmal gefragt, warum ich behaupte, ich hätte Furcht vor Dir. Ich wusste Dir, wie gewöhnlich, nichts zu antworten, zum einen eben aus der Furcht, die ich vor Dir habe, zum Teil deshalb, weil ich doch ganz schön überrascht war, als ich Dich in meinem Kühlschrank fand. Siehst Du, im Grunde wollte ich nur meine Quargeln holen, die stinken, dass der Sau graust, aber wohlschmeckend sind.

Gestern englische Party im internationalen Kolleg, einer hat mir die korrekte Konsumweise eines „Pints“ oder „Pinches“ (hab`s vergessen) erklärt. Also: Ein halber Liter dünnpissig schmeckendes Guiness, auf Zimmertemperatur erwärmt, dazu ein Stamperl in seiner Beschaffenheit an Sperma gemahnenden Baileys sowie ein zweites mit Whisky, wir hatten Ballantines. Den Whisky wahlweise in den Mund oder das Guiness schütten, den Baileys samt Stamperl im Bierglas versenken und das Ganze innert 10 – 20 Sekunden gurgeln.

Nach der nicht unbeträchtlichen Erleichterung heute Morgen in die Toilette meiner Wahl (ich hatte ja keine) war ich zunächst bass erstaunt. Ich, der ich mich immer volltönend bürste, äh, Brüste, zuletzt antiperistaltiert zu haben, als Milli Vanilli einen Grammy gewannen, musste kläglich die Segel streichen vor britischen Trinksitten. Dabei war ich fest davon überzeugt, dass es hiebei die österreichische Mentalität mit nahezu jedem aufnehmen kann. Ich gewahre ein Getränk meiner Jugend, man erstand es in ehemaligen Remisen um sich die geistige Gesundheit angeohrs DJ Ötzis misstöndenden Organs zu erhalten, bei dessen Trinkprozess es Usus war, sich einen Motorradhelm aufzusetzen und nach dem Schlucken vom Barmann mit dem Baseballschläger eine an den Kopf gedroschen zu bekommen. Das war immer eine gute Gelegenheit, wenn man jemand nicht leiden konnte, liebes Christkind, weil dann hat man einfach einen ausgegeben und gesagt: Bei der Frisur! Ich dachte, der hat den Helm schon auf.

Elend kauerte ich auf dem Thron der Ausscheidung und angelte mir zur Ablenkung die Hauspostille des Ehepaares F., welche auf müüüsteriöse Wege Eingang in mein Domizil gefunden hatte. In der reißerisch betitelten Wochenschrift fand sich zwischen Artikeln à la „Adolf Haider – Das Geheimdossier“ und „101 Tipps für 101 Orgasmen“ auch eine Überschrift, welche mein Herz aufs weihnachtlichste zu erwärmen vermochte. Sie lautete: „Ich scheiße dir in den Hals“ und prangerte Missstände des österreichischen Bundesheeres an, die keinen überraschen, aber jeder tut so. Im Zuge des Lesens wurde ich informiert, dass dem Generalmajor August Patan-Cedevisz* die Kompetenzen für die Ausbildung der Rekruten entzogen werden sollen, weil er ihnen am liebsten in den Hals scheißen würde oder zumindest nichts dagegen hat, wenn andere dahingehend Gelüste äußern.

Das freilich warf mich nicht von meinem Stuhl, aber, so weiter die Informationsvergabe, Patan-Cedevisz* entstamme „einer alten Offiziersfamilie“. Das konnte ich nun aber gar nicht mit dem Doppelnamen in Verbindung bringen, liebes Christkind, der wenig zu traditionsträchtigen Offizierfamilien passt!!! Du wirst meine Aufregung verstehen!!! Alarmiert riss ich die nächste Zeitschrift an mich, denn ich glaubte mich zu entsinnen, dass da irgendwie die 50 einflussreichsten Frauen in Politik und Wirtschaft aufgelistet waren. Ich machte mir Notizen und bemühte den Kalkulator und siehe da, liebes Christkind, 42% der 50 einflussreichsten Frauen in Politik und Wirtschaft haben einen Doppelnamen!!! Ich wittere da eine Verschwörung, die anzuprangern mich der Herr gesandt hat.

Danach kam J. und ging mir auf die Nerven. Wir tappten in die alte Beziehungsfalle, an der schon so viele aufstrebende Junge Paare gescheitert sind: Wir konnten uns über die für ein funktionierendes Miteinander von Mann und Frau zweifellos essentielle Frage nicht einigen, ob Bud Spencer in „The Good, the Bad and the Ugly” mitspielt. Im Zuge des darauf folgenden Disputes musste ich mir vorwerfen lassen, (1) zu glauben, alles zu wissen, (2) niemals auch nur eine Sekunde lang eine andere Meinung als meine zulassen zu wollen, (3) immer das letzte Wort haben zu wollen.

Selbstverständlich hanebüchener Schwachsinn, Du wirst mir zustimmen, liebes Christkind. Als J. weg war hab ich sogleich meine Quellen bemüht und möchte hier in aller Bescheidenheit nur noch mal anmerken, dass meine dreiviertel zur Gewissheit erhärtete Vermutung, dass Bud Spencer selbstverständlich NICHT in „The good, the Bad and the Ugly“ mitspielt, selbstverständlich vollkommen und absolut richtig war.

Und wenn Du mich jetzt wieder fragst, was ich mir wünsche, so wäre das: Hirn, und dass nicht immer alle so viel schreien.

Immerhin ist Weihnachten.

Seeman


(* Name geändert aus Angst vor machtgeilen Irren mit Zugriff auf schweres Geschütz)



DIE DONNERSTAGSKOLUMNE



Was bisher geschah:

SeemanSalztod
[77 79 81 83
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102 104 106 108
110 112 114 116
118 120 122 124
126 128 130 132 134 136
138 140 142 144 146 148
150 152 155 157 160]

Cynthia B. McKittchnique
[131 133 135 137
139 141 143 145
147 149 151 153 156 159]

Eleg
[101 103 105 107
109 111 113 115
117 119 121 123 125
127 129
154 158 161]

Mercedes
[29 47 49 51
53 55 57 60
62 64 66 68
70 72 74 76
78 80 82 84
86 88 90 92
94 96]

Horazio
[59 61 63 65
67 69 71 73
75]

Horazio
[1 3 5 7 9
11 13 15 17 19
21 23 25 27 28
30 32 34 36 38
40 42 44 46 48
50 52 54 56
58 100]

Claire Grange
[39 41 43 45]

Laura
[2 4 6 8 10
12 14 16 18 20
22 24 26]

Madame Kiwi
[31 33 35 37]





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