DIE DONNERSTAGSKOLUMNE


Suche Spielverderber fürs Leben

Als wir Kinder waren gab es das Kaufladenspiel und das Doktorspiel. Jetzt spiele ich - wenn mir sehr öde zumut ist - das Ehespiel, eine gar kurzweilige Vermengung von beidem und mehr. Das geht so: Erstmal braucht man einen Kaufladen. Also irgendeine Kiste, ein Auto oder ein Haus wo man reinstopft und anpreist was man eigen nennt. Da setzt man sich dann rein und wartet, bis eine einsame Seele vorbeikommt und einem das abkauft. Wenn die einsame Seele des Handelns willig ist, macht sie ihren Unterleib frei. Soweit das Vorspiel. Dann piekst es kurz und schon vorbei. Die Würfel sind gefallen.

Zu Beginn des Ehespiels wird ein Arsenal roter Kerzen gezündet, geistreich geplänkelt, überzeugend Ich liebe dich gehaucht, dabei treuherzig dreingeguckt und sich im eigenen Glanze gesonnt. Es empfiehlt sich die Hinzunahme weiterer Spielfiguren (Freunde oder Geschwister), die für sämtliche Prognosen verantwortlich sind und damit den weiteren Spielverlauf beeinflussen. Hier endet das Ehespiel meistens. Kein Spieler darf aufhören, ohne Mau Mau oder "Hätte ich doch auf meine Freunde oder Geschwister gehört" zu sagen.

Zu dieser gelegentlich tristen Grundform gibt es vergnügliche Varianten. Zum Beispiel kann einer der Spieler das Spielfeld verlassen und der andere solitär weiterspielen. Oder ein dritter Spieler zieht zu Felde. Oder besser noch ein bereits ausgeschiedener Mitspieler. Fortgeschrittene schwören auf die Kombination aller Varianten: Ein Spieler verlässt das Spielfeld, ein anderer stösst hinzu, dann tritt der Exmitspieler wieder auf den Plan und erklärt das Spiel für beendet, um daraufhin ein neues Spiel zu beginnen.

Von Frauen wird gelegentlich behauptet, dass sie das Ehespiel bis zum Exzess betrieben, einfach weil sie so gerne Kerzen anzünden. Das stimmt - aber Männer, so behaupte ich, stehen dem in nichts nach. Es geht sogar so weit, dass sie ihre eigenen Kerzen mitbringen, wenn sie mich besuchen, oder stillen Vorwurfs welche kaufen, wenn ich keine habe. The show must go on, und ein Ehespiel ohne Kerzen ist wie ein Fussballspiel ohne Fussball. Die wichtigste Regel des Ehespiels ist aber, alles gemeinsam zu tun. Extremisten gestatten einander nicht einmal den Genuss einsamen Pinkelns, denn das wäre unromantisch und also das Ende des Ehespiels. Das kann so weit gehen, dass der eine beleidigt ist, wenn der andere ihm nicht genau berichten kann, weshalb die Farbe seiner Scheisse und womöglich auch die Form anders war als tags zuvor. Ad fontes! Regression! Was man innert zwanzig Jahren an Unabhängigkeit so eben errungen hatte, wird hier mit Lust über Bord geworfen. Was man in zwanzig Jahren halbwegs überwunden hatte, von der analen über die phallische bishin zur ödipalen Phase, grüsst hier im Endspiel fröhlich wieder.

Kein leichtes Spiel? Der Trick beim Ehespiel ist, alles, was Scheisse ist, nicht beim Namen zu nennen. Im Falle von Scheisse wird erst mal eine Kerze angezündet und gesagt "lass uns reden". Die Scheisse erhält dann einen neuen Namen, Herausforderung, und schon gibt es keine Scheisse mehr.

Lassen Sie sich fallen und spielen Sie mit.
Es ist alles ganz, ganz leicht.

Eleg






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Was bisher geschah:

SeemanSalztod
[77 79 81 83
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138 140 142 144 146 148
150 152 155 157 160 162 164 166]

Cynthia B. McKittchnique
[131 133 135 137
139 141 143 145
147 149 151 153 156 159 165]

Eleg
[101 103 105 107
109 111 113 115
117 119 121 123 125
127 129
154 158 161 163]

Mercedes
[29 47 49 51
53 55 57 60
62 64 66 68
70 72 74 76
78 80 82 84
86 88 90 92
94 96]

Horazio
[59 61 63 65
67 69 71 73
75]

Horazio
[1 3 5 7 9
11 13 15 17 19
21 23 25 27 28
30 32 34 36 38
40 42 44 46 48
50 52 54 56
58 100]

Claire Grange
[39 41 43 45]

Laura
[2 4 6 8 10
12 14 16 18 20
22 24 26]

Madame Kiwi
[31 33 35 37]





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