DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Es lebe der Sport
Ich finde es schade, dass sich die persönliche Note aus der
Donnerstagskolumne verabschiedet hat. In einer Zeit, in der
nicht nur das Wetter, sondern auch die Herzen
immer kälter werden, möchte ich dem gern entgegenwirken.
Also, liebe Eleg, werte Frau Mcquittchnique, wer immer auch
diese meine bescheidenen kolumnalen Versuche mit einer
Replik beehren wird:
Ich möchte euch heute von unserer neuen Innenministerin erzählen:
Liese Prokop. Das ist eine tolle Frau. Sie war eine der besten
Leichtathletinnen
des Landes und gewann bei den olympischen Spielen in Mexiko `68
die Silbermedaille im Fünfkampf. Im Jahr darauf hat sie den Weltrekord
im Fünfkampf geknackt und wurde Europameisterin in Athen. Sie
war vielfache österreichische Staatsmeisterin in: Weitsprung, Hochsprung,
Hürdenlauf, Staffellauf und Kugelstoßen. Außerdem kommt sie
sehr mütterlich und sympathisch rüber, ich kann mich also beruhigt
zurücklehnen und weiß das Ressort für Inneres in guten Händen.
(Denn darauf kommt es ja wohl an, oder was?)
Verheiratet ist sie mit dem Sporttrainer Gunnar Prokop,
einem der erfolgreichsten des Landes: acht mal Europacup mit
dem Damenhandballverein Hypo Niederösterreich. Derselbe wurde jedoch
leider jüngst zum Anlass meiner Konsternation, haben ihn doch
zwei "Falter"-Journalisten zum Interview gebeten und Herr Prokop,
durchaus animiert, nahm dies zum Anlass, in einigen griffigen
Sätzen sein Weltbild zu erläutern:
1) Frauen.
„Ich bin da ein Revoluzzer […] Die Frauen gehören in die Kuchl, sollen
die Kinder erziehen und aus. […] Die Konsumgesellschaft treibt das Volk,
überhaupt die Weiber. Hat die eine einen schönen Mantel,
will die andere auch einen.“
2) Asylpolitik
"Bei den Asylwerbern würde ich viel härter vorgehen […]"
Ich glaube, dass ein Großteil der Ausländer anständig ist.
Man muss ihnen ja direkt dankbar sein, dass sie uns Arbeit
abnehmen. Kein Österreicher greift doch mehr in eine
verstopfte Scheißhausschüssel."
3) Trainingsideologie
"Die Weiber gehören dauernd in den Arsch getreten […]
Im Hochleistungssport kann es keine Demokratie geben.
Wenn die Madeln nicht anzahn, dann kann man die
Mannschaft nicht mehr trainieren, sondern muss sie dressieren.
Einen Hund kann man auch trainieren oder dressieren. […]
Wer schon einmal vor Erschöpfung gespieben hat,
der ist an seine Grenzen gegangen.“
Er meint, das wäre aus dem Zusammenhang gerissen worden, die hätten
ihn gelegt. In dubio pro re, Herr Prokop, ich würde Ihnen
zu gerne glauben. Dieses findige Journalistenpack.
Jedenfalls, dazu hätte ich einige kleine Anmerkungen:
ad 1) Sind Sie völlig von Sinnen? Die können doch heute alle nicht
mehr kochen; Bruuuaaa har har.
ad 2) Kann ich so nicht bestätigen: Erst unlängst hab ich,
auf dass es flutsche wie zu besten Zeiten, bei der Tiefenreinigung
wieder einen Knödel zu Tage gefördert, na habe die Ehre, danach war
bei mir am Häusl zwei Tage Kontaminationssperrgebiet.
ad 3) Oh Gott, oh Gott! Meine früheste Jugend steigt vor mir auf.
Ich sehe bierbäuchige Senioren in Tennissocken die beim Spiel
nichts bewegen außer ihren Handgelenken, mit denen aber einen
Slice reinhacken, dass der Ball unmöglich zu retournieren ist. Ich sehe
mich hochfahren, weil mich verängstigte Nachbarskinder anrufen,
am Sonntag, um sieben Uhr früh, und mir meinen hart erkämpften
Platz Nr. 28 in der Rangliste, die bis 30 geht, streitig machen wollen.
Und auf meine vorsichtige Frage, was die Scheiße solle, höre ich
Väter im Hintergrund bellen: „Sag ihm, er MUSS. Man MUSS um
seinen Rang antreten, wenn man gefordert wird.“ Ich sehe dieselben
Väter mit denselben Kindern am Tisch des Clubcafes sitzen
und wie die Väter in die Runde krakeelen, sie gehen jetzt mit dem Burli
Aufschläge üben, Zack, Zack!, fünf Stunden täglich, und in den
Augen der Burlis nur abgöttische Verehrung, was bleibt einem übrig,
als Zehnjähriger? Ich sehe diese Väter und wie ich gezwungen werde,
mit ihnen auf Turniere in Nachbarbundesländer zu fahren und wie sie mich
deshalb
aus Gründen der Pragmatik adoptieren und mir von der Seitenlinie bei jedem
Schlag ins Ohr brüllen: „REISS DICH ZUSAMMEN! REISS DICH
ZUSAMMEN!“ Weil auch von mir die Gesamtwertung abhängt.
Worauf ich natürlich prompt die einfachsten Schläge versaue, ich
bin einfach nicht stresstauglich, deshalb wird das auch nix, mit
dem hoch dotierten Posten in der New Economy.
Gunnar Prokop, ich finde, das klingt schon so, so irgendwie.
Das gutturale „G“, das schmierige, zwischen gespitzten Lippen
durchschlüpfende „U“, der sich wie ein Abzug spannende Doppelnasal,
das geknurrte „A“ mit dem dräuenden "R": gunnnaaaaarrrrrrrRRRR.
Und dann die einem im Gesicht detonierenden Plosive,
wie ein Vorderlader: PROKOP! PROKOP! PROKOP!
Ab heute wird zurückgeprokopt.
Wie war das noch, mit „mens sana in corpore sano“?
Seeman
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DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Was bisher geschah:
SeemanSalztod [77 79 81 83 85 87 89 91 93 95 97 98 102 104 106 108 110 112 114 116 118 120 122 124 126 128 130 132 134 136 138 140 142 144 146 148
150 152 155 157 160 162 164 166]
Cynthia B. McKittchnique [131 133 135 137 139 141 143 145
147 149
151 153 156 159 165 168]
Eleg [101 103 105 107 109 111 113 115 117 119 121 123 125 127 129 154 158 161 163 167]
Mercedes [29 47 49 51 53 55 57 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 92 94 96]
Horazio [59 61 63 65 67 69 71 73 75]
Horazio [1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 100]
Claire Grange [39 41 43 45]
Laura [2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26]
Madame Kiwi [31 33 35 37]
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