DIE DONNERSTAGSKOLUMNE

Absurd gottlöblichsten Dank liebe Laura,

dass Du mich nachträglich an den Freuden Deiner Neujahrsreise teilhaben lässt. "Wien ist schon eine Reise wert", wie sich der halbgebildete Volksmund zu äussern beliebt. Das Bermuda-Dreieck, der Prater, das Kolosseum... einfach herrlich.
Ich möchte Dich gleich zu Beginn meines Schreibens etwas Fragen. Ganz direkt und ohne Umschweife. Umschweife? Woher woll dieses Wort stammen mag? Ist es vielleicht ein diäzöser Ausdruck für die einem umgebende Männerwelt? Aber lassen wir das. Ich wollte Dich also fragen, was Du von unsachgemäss justierten Triangulationspunkten hältst? Da mich Deine Meinung im Grunde genommen aber keinen Deut interessiert verlasse ich diesen abscheulich billigen Einstieg in diese Kolumne und widme mich etwas Gehaltvollerem.

Ammen liebe Laura. Wann hast Du Dir das letzte mal über den Verbleib der Ammen Gedanken gemacht?

Dem ungebildeten Leser sei an dieser Stelle (Triangulationspunkt 1) erklärt, worum es sich bei Ammen handelt:
Ammen waren anno dazumal (oder auch heute noch wen interessiert's) Frauen, die sich durch stundenlange Brustmassagen gegenseitig die Milchdrüsen in den Eutern anregten und so mit stets gefüllten Kondensbeuteln durch die Gegend buckelten. Meistens massierten sie sich auch noch ein wenig die inneren Scheidenwände, was aber für diese Erklärung eher von geringerer Bedeutung ist. Eine weitere Methode um die Kalziumquellen zum sprudeln zu bringen war die sachgemässe Durchführung einer Scheinbefruchtung (vorgenommen nur durch erfahrene Ammenveterinäre, also keine Experimente bitte). Um eine solche Scheinbefruchtung durchzuführen zwang man die Ammen auf die Knie und reihte sie auf einem abgewetzten Bärenfell auf. Nun begann der sogenannte Brunster (Triangulationspunkt 2), einige Meter hinter den Ammen stehend, auf dem Brunster-Joch (ähnlich Hirtenflöte) betörende Klänge zu erzeugen, während dem der Stöpsler (Triangulationspunkt 2a) mit dem eigentlichen Eingriff begann. Ich denke diesen Beschrieb können wir uns sparen.

Nicht selten geschah es, dass sich zwei Ammen (also eigentlich vier, da Ammen ausschliesslich paarweise anzutreffen sind wie wir später lernen werden) begegneten und dann grüssten sie sich freundlich mit einem Ammen-Hai (Triangulationspunkt 3); das aber nur am Rande erwähnt.

Jeweils zwei Ammen bildeten eine symbiotisch synergetische und win-win-situatorische Partnerschaft. Jede Amme bekam vom Internationalen Amt für Ammenpartnerschaften (Headoffice in Oberammengau und Ausbildungszentrum in Ammenien) eine passende Partnerin, genannt Hebamme, zugewiesen, deren Funktion wir an passenderer Stelle erläutern werden. Was heisst wir! Ich! Sie lesen ja nur.

Die Ammen hatten natürlich auch eine Aufgabe. Einfach so ein Bisschen umherziehen mit grossen Titten unterm Kinn kann's ja nun wirklich nicht sein. Obwohl wenn ich mich heute so umschaue... Also die Ammen, ja die Ammen, die hatten also so richtig was zu tun. Die Ammen mussten nämlich auf Bauernhöfen arbeiten und dort im Falle einer ungewollten Himmelsfahrt einer mütterlichen Zuchtkuh die hinterbliebenen Halb-Weisenkälber stillen. Die compagnierte Hebamme kniff, während dem ein Kalb an die Amme angedockt war, deren ungenützte Brustwarze zu, um den Druck in der besaugten Milchdrüse zu erhöhen.

Im Jahre 1734 erlebten die Ammen die eigentliche Blütezeit ihrer Hochkultur. Papst Nestor le Lait (von den Alt-Katholiken liebevoll Pope Nestle genannt) begann zu dieser Zeit auf dem Petersplatz (ich muss auch unbedingt wieder mal nach Wien) Wet-T'Shirt-Contests durchzuführen und da waren die Ammen natürlich immer vorne mit dabei. Den erfolgreichsten Ammen wurden Gemächer im Vatikan (Triangulationspunkt 4) zur Verfügung gestellt und der Ertrag der allmorgendlichen Melkung wurde fein säuberlich konserviert. Das war ein herrliches Leben für die Ammen und natürlich wollte jedes kleine Mädchen diesen wunderbaren Beruf ergreifen.

So einfach sind die Dinge manchmal.

Aber wo sind die Ammen geblieben liebe Laura? Und vor allem warum? Ich weiss es nicht und hoffe auf eine klärende Antwort.

Give me your milk baby

Horazio (Triangulations-Höhepunkt)



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