DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Dobro Thunder Delta Dynamite
Gute Nachrichten, Ladies und Gentleman, ich habe
die Wiederauferstehung des Blues gesehen: Ihr
Name ist Eric Sardinas.
Das dies ausgerechnet im kärntnerischen Velden am kärntnerischen Wörthersee geschehen musste, einer Gegend, die mir bisher nur aus der unsäglichen
Fernsehserie („Ein Schloß am Wörthersee
am wunderschönen Wörthersee
wo alle Menschen Freunde sind
und Rosen blüh'n im Sommerwind“) mit
Roy-ich-bin-in-mehr-Scheunen-mit-Uschi-Glas
-durchs-Stroh-gekugelt-als-ich-Brusthaare-habe-Black
geläufig war, entbehrt nicht einer gewissen kosmischen
Ironie.
Doch ich greife vor. Es begab sich nämlich, dass
mir Privilegiertem auch am 10 Juli im Jahr des Herrn 04 bereits eine
denkwürdige musikalische Offenbarung zuteil
wurde: Die auf ihrer Europe-G3-Tour im Wiener
Gasometer halt machenden Herren Vai, Satriani und
der leider den unsterblichen Yngwie Johann Malmsteen
replacende Robert Fripp. Nichts gegen die frühen King Crimson, aber
eine halbe Stunde traniger Sphärenklänge durch den Synthesizer vergraulen
noch den letzten Hardcore-Fan. Dann lieber gleich der Brunftgesang
des Blauwals in C-Moll.
Jedenfalls: dieser Abend brachte, nebst persönlicher Kontaktaufnahme
mit den Gottheiten (Steve Vai hat uns im Vorbeigehen den erhobenen
Daumen gezeigt, ich wasch mich nie wieder!), einem Knick in der Bodenplatte unseres Mazdas (Mit sechzig über eine Parkgaragenauffahrt
ist nur bis zum Knall eine gute Idee) und der Belustigung ob eines
150-Kilo-Sicherheitsmannes mit Fistelstimme in Schulmädchentonhöhe,
auch die Grüne-Vai-DVD a.k.a. Live at the Astoria, London, die
man dort käuflich erwerben konnte.
Das wiederum führte zu einer Nacht, von der man mir erzählt, ich habe
aus dem Stehgreif ein zwanzigminütiges Referat zum Thema: WENN DIE
BÜHNENSHOW
WICHTIGER WIRD ALS DIE MUSIK, VERANSCHAULICHT AN DER
VERSION VON „BAD HORSIE“ AUF DER GÜNEN-VAI-DVD A.K.A.
LIVE AT THE ASTORIA, LONDON, gehalten und dazu 500 Gramm
Salzerdnüsse der Marke Clever verdrückt. Unbegreiflicherweise fehlt
mir daran jegliche Erinnerung, aber es wird wohl so gewesen sein, meine
Scheiße war am nächsten Morgen ockerfarben. Das letzte Lied auf der Grünen-Vai-DVD a.k.a. Live at the Astoria, London,
nennt sich „The Attitude Song“ und da betritt erstmals ein Gastmusiker die
Bühne, ein aparter junger Mensch, der bei Mr. Vais Label „Favored Nations“ ein
Album raus gebracht hat und auf seiner Resonatorgitarre ein Solo grätscht,
respektive
slidet, dass einem die Backenzähne vibrieren.
Und dieses wiederum führt uns ins kärntnerische Velden am kärntnerischen Wörthersee, ins Bluesiana-Rock-Cafe, um
genau zu sein, zum 15 Februar im Jahr des Herrn 05,
denn dieser aparte junge Mensch war Eric Sardinas, und der
spielte dann da und … puh!
Was ich erwartet habe: gutes Geslide, auf einer ziemlich abgefahren aussehenden Dobro. Erdigen, treibenden Delta-Blues ins Jahr des Herrn 05
transponiert. Wenn eine halbe Minute Solo auf einer DVD
einen dazu bringt, 25,- Eypos für eine Karte hinzulegen, dann ist die Enttäuschung zumeist vorprogrammiert. Was ich aber
vorfand, hat die Betreiberin der one and only Eric-Sardinas-Tribute-Page
www.respectperfection.com treffender formuliert als ich das je könnte:
“Calling Eric Sardinas a blues guitarist is like calling Stephen Hawking a
physicist, calling The Beatles a boy band, or calling Watership Down a book
about bunnies. It's true, but it doesn't exactly tell the whole story [..
When Eric Sardinas took the stage (and when I say he 'took' it, I do mean
that literally) my first thought was "oh my god!" In fact, I think I might
have actually said that out loud. Why this reaction? Because I had seen
blues guitarists play live before (my father is a guitarist -- another long
story), so I was expecting, well... a blues guitarist. What I wasn't
expecting was a virtuoso, a guitar god, or a force of nature. But that's
exactly what I got, more or less on accident. I honestly couldn't believe my
good luck. […]
I had begun to fear for the future of music in much the same way that
literary heroine Princess Leigh-Cheri feared for the future of sex:
`...the insidious designs of capitalistic puritans were supposed to
technologize it, to dilute its dark juices, to contain its wilder fires, to
censor its sweet nastiness, to scrub it clean, to order it uniform, to
render it safe... secure... same... sanitary...`
-- Tom Robbins, Still Life with Woodpecker
How silly of me to worry unnecessarily.”
So ging`s mir auch, Buben und Mädels! Nur dass ich mir um die Zukunft der
Musik längst Keine Sorgen mehr machte, sondern bereits Rosen ins Grab warf
Diese jüngeren Generationen! Die verstehe, wer will!
Seeman
* * *
Eric Sardinas, meine Damen:
 
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DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Was bisher geschah:
SeemanSalztod [77 79 81 83 85 87 89 91 93 95 97 98 102 104 106 108 110 112 114 116 118 120 122 124 126 128 130 132 134 136 138 140 142 144 146 148
150 152 155 157 160 162 164 166 169]
Cynthia B. McKittchnique [131 133 135 137 139 141 143 145
147 149
151 153 156 159 165 168 171]
Eleg [101 103 105 107 109 111 113 115 117 119 121 123 125 127 129 154 158 161 163 167 170]
Mercedes [29 47 49 51 53 55 57 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 92 94 96]
Horazio [59 61 63 65 67 69 71 73 75]
Horazio [1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 100]
Claire Grange [39 41 43 45]
Laura [2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26]
Madame Kiwi [31 33 35 37]
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