DIE DONNERSTAGSKOLUMNE


Le Troisième Sexe?

Nachdem ich in gewohnter Vorbereitung auf diese Kolumne zwölf Stunden onameditiert und mich mit einem Birkenstock gegeißelt hatte, machte ich mir also Gedanken über die thematische Positionierung des Tabus, welches ich in gewohnter Scharfsinnigkeit behutsam aufzuzeigen und hernach theoretisch zu brechen gedachte. Und zwar um des Bruchs und nur um des Bruchs willen. Denn, wie wir wissen, bin ich da geil drauf.

SexPolitikTod hatten wir ja schon zum Erblassen, also dachte ich zur Abwechslung mal an: Leben. Aber nicht wieder Präimplantationsdiagnostik und Geklone und diesen ganzen lauen Topfen. Ich entsinne mich vagest, von einem Essay o.ä. gelesen zu haben, in dem eine junge Autorin das Tabu „Mutterglück“ angeht und angeblich ausführt, dass der Tag der Geburt ihres Kindes mitnichten der schönste ihres Lebens war, von wegen nicht mal annähernd. Und zwar das alles im Zuge eines feministischen Rezeptionsdiskurses, glaube ich. Aber hallo! Wenn das nicht fährt.

Der erste, der mir den Namen oder jeglichen Hinweis diese Autorin bzw. das Thema betreffend an seemansalztod@gmx.net zukommen lassen kann, wird in der Preisrede namentlich erwähnt. Ich weiß ihn nämlich nicht mehr und habe die Bibliothek ergebnislos durchforstet. Fast. Weil ich schon mal des hehren Themas wegen da war, griff ich zur Übermutter, Madame de Beauvoir, die aufmerksamkeitsheischend-voluminös im Regal sich tummelte. Die hatte mir eh gefehlt, nämlich grade noch. Da jedoch Zeit und Geduld knapp bemessen waren, griff ich dann auch gleich noch mal, und zwar zur bewährten Methode des Cross-Readings von vornehintenobenuntenlinks und stieß auf folgende Stelle zum weiblichen Klimakterium, die ich in ihrer Bemerkenswertigkeit gerne unreflektiert aus dem Zusammenhang reißen und zur Diskussion stellen möchte:

„Nun ist die Frau von den Zwängen ihrer Weiblichkeit befreit. Sie ist aber noch nicht mit einem Eunuchen vergleichbar, denn ihre Vitalität ist noch vollständig vorhanden. Gleichwohl ist sie nicht länger Mächten unterworfen, die über sie hinausgehen: sie stimmt mit sich selbst überein. Man hat manchmal gesagt, die älteren Frauen stellten `ein drittes Geschlecht` dar, und tatsächlich sind sie keine männlichen, aber auch keine weiblichen Wesen mehr. Oft drückt sich diese physiologische Autonomie in einem Zustand von Gesundheit, Ausgeglichenheit und Kraft aus, die sie vorher nicht besaßen.“

Aha! Hm. Hm. Freilich, das Verhohnepiepeln des „Feminismus“ als Müdes Klischee ist längst selbst schon wieder zum müden Klischee geworden. It´s so very much postmodern, you know. Aber ich finde diese und auch weitere Zeilen, gelinde gesagt, etwas problematisch. Nicht nur weil sie mir nahe legen, nicht länger jeder Frau um die Fünfzig auf der Strasse ein fröhliches „EUNUCH!“ entgegenzuträllern. Sondern auch, weil mir immer schon schien, dass die so genannten „Gender-Studies“ den hochbrisantesten aller Gender-Aspekte außen vor lassen, und zwar in eindeutig diskriminierender Absicht: Natürlich ist man als Frau in patriarchalischen Machtstrukturen gefangen und so weiter, nur: als Mann ebenso. Es geht einem nicht besser. Denn: Der mistige Patriarch, der am Hebel der gesellschaftlichen Macht sitzt, ist meistens

a) sowieso ein Arschloch und
b) leider nicht man selber.

Tjaaa. Das war ja wieder eine Erkenntnis, oder was. Da scheißt doch der Hund ins Feuerzeug.

Geht’s noch jemandem hier so gut wie mir?

Seeman



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SeemanSalztod
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Eleg
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Horazio
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