DIE DONNERSTAGSKOLUMNE


Wie auch wir vergeben unsern Schuldigern

Das Kind schleppt den Topf voll dampfender Scheisse zu den Eltern. Das Kind ist stolz. Der Besuch kämpft mit dem Magen, den Eltern ist es peinlich. Entsetztes Schweigen. Allein die glühende Begeisterung in den kugelrunden Knirpsaugen - seht diese Scheisse! - bewegt die ratlose Runde zur einzig richtigen Reaktion: Einstimmige Begeisterung. Tolle Scheisse hast du da.

Ich hatte ihm auch einen Topf Scheisse gebracht ("übrigens hab ich was mit meinem Ex") und war stolz dabei gewesen, denn ich war eine Heldin. Mutig, ehrlich und spontan hatte ich mich ihm anvertraut und blieb dabei souverän genug, ihm unverbindlich wie aus dem Lautsprecher der Bundesbahn meine Freundschaft anzubieten. Wir würden uns freuen, Sie bald wieder an Bord begrüssen zu dürfen. Es sollte ihm schwer werden, mich abzulehnen, denn wie kann man ein Kind verurteilen! Ein Kind, übermütig, aber stets bereit, alles immer gleich zuzugeben, mit treuen Scheissestolzaugen aufzublicken, "Tut mir leid" zu brabbeln und gütig in die Arme genommen zu werden. Die Scheisse würde sich unter meinem Herzensblick zu Gold verwandeln, ja, meine Fehler, meine Sünden würden mittels Beichte gar mein eigentliches Wesen zutage bringen, das edel genug war, auch diesen Fehler zuzugeben, stets in grenzenlosem Vertrauen in die Güte des anderen, der mir genau durch dieses Vertrauen würde verzeihen müssen, wollte er nicht mein Topfglück trüben.

Sein Staunen klang amüsiert. Er hatte kurz gelacht, dann sagte er "Na, da kann ich auch nicht helfen!" - souveräner und charmanter, als es die Bundesbahn jemals könnte. Er war dann sehr kurz, aber freundlich gewesen, stets erreichbar für seine Kunden, und ich war also einer seiner Arschlochkunden geworden, die es höflich zu vertrösten und zu verarschen galt. Ein Glücksscheissekind war ich nicht geworden. Ich stand da in meinem Faschingskostüm aus Kugelaugen, Verlegenheitsbrummeln, Heldenstolz und dampfendem Eimerchen, erwartete erst Entsetzen und Geschrei, dann Rührung und Versöhnung, denn war ich nicht ein Engel?, aber plötzlich kam ich mir albern vor, denn man steht nicht mit Pappfügeln vor einem Anlageberater.

Ich war enttäuscht. Wie konnte er meine Grösse, die Sie mir unweigerlich zugestehen müssen, so sehr verkennen? Nun, mit Gottes Hilfe kam ich zu dem Schluss, dass er ganz offensichtlich einfach nicht bereit für mich war, nicht reif genug für meine Reinheit. Der Tag war gerettet. Ich hatte meine Sünden überwunden.

Am Abend hatte ich ihm sogar die seinen verziehen.

Weiss wie Cynthy
Eleg




DIE DONNERSTAGSKOLUMNE



Was bisher geschah:

Cynthia B. McKittchnique
[131 133 135 137
139 141 143 145
147 149 151 153
156 159 165 168
171 174 176 180 184]

SeemanSalztod
[77 79 81 83
85 87 89 91
93 95 97 98
102 104 106 108
110 112 114 116
118 120 122 124
126 128 130 132
134 136 138 140
142 144 146 148
150 152 155 157
160 162 164 166
169 172 177 181 185]

Eleg
[101 103 105 107
109 111 113 115
117 119 121 123
125 127 129 154
158 161 163 167
170 173 178 182]

Horazio
[59 61 63 65
67 69 71 73
75 175 179 183]

Mercedes
[29 47 49 51
53 55 57 60
62 64 66 68
70 72 74 76
78 80 82 84
86 88 90 92
94 96]

Horazio
[1 3 5 7 9
11 13 15 17 19
21 23 25 27 28
30 32 34 36 38
40 42 44 46 48
50 52 54 56
58 100]

Claire Grange
[39 41 43 45]

Laura
[2 4 6 8 10
12 14 16 18 20
22 24 26]

Madame Kiwi
[31 33 35 37]





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