DIE DONNERSTAGSKOLUMNE

Erbarmungslose Laura,

das war ja doch etwas verletzend. Aber was soll's. Die Wahrheit tut immer weh und der mangelnde Spermienauswurf meinerseits ist wohl unkaschierbar. So bin ich Dir dann eigentlich dankbar für Deine guten Tipps, die aber leider nur in der klitzekleinen Innerschweiz zu vollkommenem sexuellen Glücksgefühl verhelfen. Sich gewandt und ungreifbar durch die Winterthurer Partyszene zu koitieren bedarf etwas mehr Feingefühl. Aus diesem Grund habe ich auch schon bereits vor langer Zeit einen kleinen Guide ("Finding a suitable Fuck-Object in Winterthur" (first released in "Lonely-Planet Switzerland", 1989)) geschrieben, den zu veröffentlichen Du mir jetzt die Gelegenheit geben würdest. Da ich seit vielen Jahren meine eigenen Aufrissregeln jedoch erfolglos anwende werde ich freundlichst darauf verzichten.
Vielmehr möchte ich Dir heute von meinem Samstag Abend erzählen. Ein fantastischer Abend voller Überraschungen und multikulturellen Höhepunkten (wurdes Du schon mal von einem drei Meter grossen Muselmanen bedroht und mit den Worten "Mann hau bloss ab du Motherfucker" beschimpft, nur weil Du dessen Kinderwagen ein paar Sekunden ausleihen wolltest? Ich ess nie mehr Dönner!).

Um Viertelnachacht treffen wir uns also am Winterthurer Hauptbahnhof. Meine beiden Freude fänden wohl kaum Gefallen daran hier namentlich erwähnt zu werden, desshalb werde ich sie einfach mal Melchior und Kaspar nennen. An diesem Abend werden wir eine Privatparty in Zürich City aufsuchen und durch unsere geschätzte Anwesenheit bereichern. Das ist eine Spezialität von uns. Langjährige Erfahrung und eine ausgefeilte Soziochoreographie machen uns an so einer Party jeweils innert weniger Minuten zu nicht mehr wegzudenkenden Gastgeberlieblingen. Melchior hat sich unglaublich gestylt: braune Leder-Spitzlatschen, ein handgestrigeltes Horazio-Lennon-Filz-Jäckchen und eine Dioptrikum mit Weissgoldgestell und getönten Gläsern... faszinierend. Kaspar nimmt's da eher legère. Er ist halt der sportliche Typ. Meine Wenigkeit ist selbstverständlich in den hellblauen Nesquik-Pullover gehüllt. Wir sehen einfach unschlagbar aus. Wir besteigen die S12 (bleibt das Einzige, das an diesem Abend von uns bestiegen wird) und kommen wenige Minuten später in Zürich an. Bevor wir die Party-Location aufsuchen decken wir uns im subteranen Bier-Shop am Zürcher HB mit allen möglichen verschiedenen Hopfenstimuli ein. Vor dem Laden berauben wir die erste Gutter ihres Inhalts und amüsieren uns ein wenig ab den bespangten, fröhlich hüpfenden Kindern und Teenager, die ebenfalls reich beflascht das Geschäft verlassen (Kinder sind einfach lieb). Nach einem Drink im Palais Xtra (Anfahrt im Tram zusammen mit weiteren alkoholisierten Teens (ämm iuuu ässs eiii siiii summend)) geht's auf zur Party. Die Etagenwohnung (2.Stock) präsentiert sich eher schlicht. Wir deponieren Jacken und Bier an einem sicheren Ort (die erste Flasche wird auf den Boden geschüttet) und begrüssen zögerlich die bereits anwesenden Gäste (überwiegend Lehrer) und die Gastgeberin (Lehrerin). Wie immer an solchen Events halten sich so viele Menschen wie möglich in der Küche auf. In diesem Falle ist die Küche vollgepfercht mit Frauen. Nur Frauen. Auch durchaus hübsche Frauen. Wir meiden dieses menstruelle Ambiente und begeben uns protagonistisch ins Wohnzimmer. Aha! Im Wohnzimmer sind die Männer. Frauen in der Küche, Männer im Wohnzimmer. So soll es sein. Ein Inder und ein Pakistani sorgen für eine hindu-anglistische, multikulturelle Atmosphäre (yes I like the tandori chicken too). Nach einer kurzen Isolation auf dem Balkon (wo wir natürlich in Ruhe über die anderen Gäste spotten) lassen wir uns auf einem neo-bidermeieristischen Sofa nieder und beginnen uns die Kappe zu füllen. Eine explodierende Altweizen-Bügelbierflasche erhöht die Luftfeuchtigkeit. Die Geschlechtertrennung beginnt zu langweilen und durch eine List kriegen wir es hin die Frauen ins Wohnzimmer zu ködern. Vor der Toilette macht mich mein schnöder Lokus-Vorgänger darauf aufmerksam, das Motto des Abends sei Intellektuellen-Party und nicht Lustig-Party. Was will der Arsch von mir? Nur weil ich mit aller Kraft eine Minute lang an die Tür hämmere und um Einlass bitte? Der Macintosh im Wohnzimmer beherbergt ein Dokument namens "Vikariatsliste" welche flugs umbenannt wird (V=F, insert "c"). Sauglatt! Ich denke wir fallen bereits auf. Gut so. Ein erscheinender ETH-Student (7.Semester; er hat schon beide Vordips bestanden) mit T'Shirt der Marke "Mami's Schnuckel" gibt zu nicht in der Lage zu sein, einen Schraubenzieher zu bedienen und gibt sich grenzenloser Lächerlichkeit Preis. Während unserer Anwesenheit bleibt er Opfer vieler spassiger Angriffe. Eine Lesbierin (das seh ich einfach) betritt im roten In-Trainerjäcken den Raum und provoziert Bemerkungen zum naheliegenden Vita-Parcour. Herrlich! Wir entdecken einen Staubsauger den wir der Gastgeberin im Bett verstecken etc...
Kaspar erhält ein SMS mit den Koordinaten der nächsten Party. Melchior und ich verlassen die Drop-Zone und deponieren während des Abgangs einen Müllsack der Nachbarin vor der Tür, die in diesem Moment öffnet und sich über den Lärm beklagt, ihre armen Kinderchen könnten keinen Schlaf finden. Dramtische Schichsale einer Grossstadt! Unterdessen wird Kaspar von der Gastgeberin am Kragen vor die Tür gesetzt. *Bang* und weg sind wir. Im Treppenhaus entdecke ich dann den Kinderwagen, den ich als finalen Akt elegant ein paar Stufen herunter -freestyle; den verärgerten Türkischen Besitzer ignorierend...

Und ab zur nächsten Party, an der uns ein Haufen sturzhagelbtrunkener Frauen in Begattungsstimmung erwartet...

WAHHHHSINN! Die heiligen drei Könige der Nacht...

Freak me up honey

Balthasar alias Horazio




DIE DONNERSTAGSKOLUMNE



Was bisher geschah:

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