DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Girls can´t play guitar
Und es begab sich zu einer Zeit, da die Herzen der Menschen kalt und
leer waren aber die Kartoffel an sich noch echt nährstoffreich, dass dem
Domvikar zu St. Jakob, Ewald Trawöger, von einem seiner Schäfchen
dessen biographische Malaise erläutert ward:
„17 Jahre bin ich jetzt Chefpolier beim [Name einer Osttiroler Baufirma]
und was hat es mir gebracht?“, frug das Schäfchen in den Messweinbecher.
„Was denn?“, frug freundlich zurück der Domvikar zu St. Jakob, Ewald
Trawöger.
„Eine schirche Alte und zwei depperte Kinder“, entgegnete da das Schaf.
Das traf den Domvikar zu St. Jakob, Ewald Trawöger, denn trotz der
offenkundigen Alkoholintoxikation des Bußfertigen war ein solches Resümee
zwar milieuüblich, aber nicht vertretbar. Lange sann er über Antwortoptionen
nach und richtete seine inniglichen Gebete an den Herrn, allein, es tat sich
wenig. Da aber sprach der Domvikar zu St. Jakob, Ewald Trawöger:
„Guter Mann, ich sehe wohl, dass diese deine Unbillen von unnediger Natur
sind. Ich werde nun vor die Tür treten um etwas zu promenieren und
eppat/iawat/womöglich kömmt mir angesichts des süßen Odems erquicklicher
Gebirgsluft vermischt mit den Abgasen des Sägewerkes eine Eingebung, wie dem
Ganzen beizukömmen sei. Und wenn ich schon dabei bin, kauf ich mir auch noch
einen Schokoladenosterhasen.“ Sprach´s und ward von hinnen.
So also wanderte der Domvikar zu St. Jakob, Ewald
Trawöger, hinaus aus dem Orte in die Wälder, fröhlich einen Werbejingle
quinquillierend (trällern, vor sich hin singen), bis er den Übergang ins
Defereggental erreichte, in dessen Grotten der Überlieferung gemäß die
Schnabelmenschen hausten, „große, gewaltige Riesen, die anstatt des Mundes
Schnäbel hatten“, und „Menschen und Thiere [zerrissen], welche früh vor und
abend nach dem Betläuten ausgiengen“. Aber die waren gerade alle bei der
Hüsker-Dü-Reunion, also sah er die nicht. Stattdessen wanderte er weiter und
weiter, noch durch so manchen Forstquadranten, bis er gar nicht mehr wusste,
wo er war.
Da aber stieß er auf eine Lichtung, in die ein Gebirgsquell sich speiste und
dortselbst bot sich ihm ein rätselhaftes Bild: Eine junge Frau von
unvergleichlicher, ätherischer Schönheit und nackt, hockte auf einem
Erosionsgesteinsmassiv und klimperte auf einem guitarrenähnlichen
Instrumentarium selbstvergessen eine gar liebliche Melodei.
Völlig hin und weg konnte sie der Domvikar zu St. Jakob, Ewald Trawöger,
eine Weile nur anstarren und im deuchte, dass hiebei Überirdisches im Spiel
sein müsse, denn weder Frau noch Melodei waren von der Art her wirklich zu
packen, so schön. Und je mehr er sah, desto mehr vergaß er bis schließlich
nichts mehr ward auf der Welt außer ihm und ihr und der Musik. Da fasste er
sich ein Herz und verbalisierte jene rosendurchdufteten Bande der Sehnsucht,
welche sein wie Butter schmelzendes Seelchen beflügelten:
„Hab` her deine Kleschn, dass ich ihn dir hineindividieren mag!“, rief er,
wie das bis heute Usus ist zur Brautwerbung, in so mancher Gebirgsregion.
Die Erscheinung aber blickte auf und entgegnete: „Na, na!“
„Du musst schon entschuldigen“, sagte der Domvikar zu St. Jakob, Ewald
Trawöger,„aber die Klänge deiner Guitarre wähnen mich in paradiesischen
Gefilden. Ich brauche es.“
„Du verstehst das nicht“, entgegnete sie, „das ist eine Gretsch 6136SL
Silver Falcon mit zwei High-Sensitive-FilterTronTM-Tonabnehmern, einem
Ebenholzhals und zwei übergroßen verchromten F-Löchern. Und ich bin eine
Quellnymphe, mein Name ist Gerda. Zugleich bin ich die Schutzpatronin aller
Frauen, die Gitarre spielen. Vor Äonen tat ich den Schwur, mich nur jenem
Mann hinzugeben, der mich im Gitarrenduell besiegt und zwar mit einer
Gretsch, die sponsern mich. Aber weißt du eigentlich wie lang so Äonen sind
und irgendwie derkräult das keiner von den Deppen, die hier vorbeikommen.
Ich möchte also nicht verhehlen, dass deine zwar feiste, obschon aber
kräftige Statur gar wohl in mir das Verlangen weckt, dein pralles Gemächte
bis zum Anschlag in meine Schoassn gedübelt zu bekommen.“
Der Domvikar zu St. Jakob, Ewald Trawöger, konnte sein Glück kaum fassen. Da
aber fuhr die Nymphe fort:
„An der Art, wie sich deine Nasenflügel blähen erkenne ich, was dein Begehr
ist. Jedoch bedenke: Wenn es passiert wird auf der ganzen Welt nie wieder
eine Frau anständig dieses Instrument, sprich: die Gitarre und im speziellen
jene elektrisch verstärkter Art, zu spielen vermögen. Jetzt mal abgesehen
von Jennifer Batten, natürlich, die mich aber immer irgendwie an eine
verlebte Kunstgeschichtsdozentin erinnert. Zudem wird auch keine Frau mehr
ordentlich Snowboarden oder laufen können, ohne dass es komisch aussieht,
warum, weiß ich nicht. Ich bin des Gewissenskonfliktes müde und lege also
die Entscheidung in deine Hände, die zwar groß und männlich sind, wie ich
nicht übersehen habe, aber doch die langen, schlanken Finger eines Pianisten
haben, was, ehrlich gesagt, meine Begierde steigert. Entscheidest du dich
gegen deine egoistische Triebbefriedigung, können wir noch ein wenig
plaudern, es gibt einen Kamillentee und das war´s dann, Alter. Alles klar?
Entscheidest du dich jedoch dafür, beraubst du die Welt dessen.“
Hieraufhin grätschte sie sich quer durch die Pentatonik, dass es einem den
Gehörgang derkneipelte. Der Domvikar zu St. Jakob, Ewald Trawöger, aber
dachte erwartungsgemäß,`Was brauch ich gitarrespielende Weiber` und so
hallte das Defereggental wieder vom Donner ihrer Liebe. `Flub, flub, flub
wacka ...` (fragt nicht) und dann gab der Domvikar
einen ziemlich ungustiösen kehligen Laut von sich und es machte noch einmal
`chrmpf ... pflatsch` und das war´s. Dann auch wirklich.
Und das ist der Grund, liebe Kinder, warum bis zum heutigen Tag keine Frau
ordentlich Snowboarden kann oder laufen, ohne dass es komisch aussieht und
vor allem nicht Gitarre spielen. Jetzt mal abgesehen von Jennifer Batten.
Natürlich.
SeemanSalztod
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DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Was bisher geschah:
Cynthia B. McKittchnique [131 133 135 137 139 141 143 145
147 149
151 153 156 159 165 168 171 174 176 180 184 188 192]
SeemanSalztod [77 79 81 83 85 87 89 91 93 95 97 98 102 104 106 108 110 112 114 116 118 120 122 124 126 128 130 132 134 136 138 140 142 144 146 148
150 152 155 157 160 162 164 166 169 172 177 181 185 189]
Eleg [101 103 105 107 109 111 113 115 117 119 121 123 125 127 129 154 158 161 163 167 170 173 178 182 186 189]
Horazio [59 61 63 65 67 69 71 73 75 175 179 183 191]
Mercedes [29 47 49 51 53 55 57 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 92 94 96]
Horazio [1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 100]
Claire Grange [39 41 43 45]
Laura [2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26]
Madame Kiwi [31 33 35 37]
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