DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Regard it as a present
Jedenfalls tut es mir heute noch leid, das Gummischaf. Zum Blasen geboren, zum Ficken bestellt, das Fell geschoren missfiel ihm die Welt, und nicht einmal gefickt wurde es, weil der solcherart Beschenkte Ficken mit Schafen verschmäht. Ich hatte ihn überschätzt.
Aber was bitteschön kann man denn sonst an Geburtstagen schenken? Himmel, klar, ein BUCH. Oh ja, bitte verschenken Sie ein Buch. Das ist kreativ, aussergewöhnlich, zeugt von Bildungswut und vor allem: Dominanz, denn immerhin wird der Beglückte eines herauslesen: Lies das. Oder auch: Lies das, ich prüf nach. Oder: Lies das, ich prüf nach, ich habs auch gelesen, und jetzt finde mich bitte toll. Kurz, ich verschenke nie Bücher, es sei denn, es sind meine eigenen. Noch perfider sind CDs: Zwar ist man vom Vorwurf jeglichen Bildungsmissionarseifers befreit, aber dafür muss die Platte immer brav erschallen, wenn der Schenker naht, und bei jedem dieser Kulturgüter fliesst ohnehin die Botschaft mit rüber: Ich schenk dir das, weil ich mir ums Verrecken nicht vorstellen kann, dass du das schon kennst. Genaugenommen ist jede CD eine Beleidigung. Ich verschenke ungern CDs ausser meiner eigenen.
Ich selbst bekomme immer Fotobände von seltsamen Ländern. Das ist angenehm. Ich muss nichts gelesen haben, das Reisen kann ich mir fürderhin auch sparen, und nachts lege ich die Bände neben mein Bett, um verirrten Einbrechern damit den Schädel zu spalten. Leider sind Fotobände langweilig, es sei denn, sie sind pornographisch. Deshalb verschenke ich nur meine eigenen.
Wenn Sie Eltern sind, ist das mit dem Schenken dafür leicht: Eltern schenken Unterhosen. Und wenn ihre Kinder auch den Zenit ihres Lebens längst überschritten haben, Unterhosen werden an Geburtstagen, Weihnachten und selbst zu Ostern in Massen ausgepackt, Feinripp, rosa oder Disney. Die Eltern machen dann mit grossen stolzen Augen „Und???", und die Kinder sagen mit gespielter Verlegenheit „Schon okay, danke Mama, aber mit Bambi kann ich nicht ficken". Auch im Endstadium desaströser Beziehungen wechseln gelegentlich solche Teile die Fronten, Schiesser für ihn, Spitze für sie, gefickt wird ja eh nicht mehr, und falls doch im Dunkeln. Kurz, ich verschenke nie Unterhosen, ausser es sind meine eigenen, und zwar gebraucht.
Er bekam also Schaf, Buch, CD, Wichsvorlagen, Unterhose und einen Gutschein für einmal Blasen neunmal Muschischlecken, doch alles Philosophieren war aussichtslos gewesen, denn nur eines freute ihn wirklich:
Eine Mütze.
Ich hatte gehofft, er würde mir Bilder schicken von der ganzen Welt, wie „Ich mit Schaf vor Pyramiden" oder „Ich in deiner Unterhose in Hängematte", aber fortan schickte er nur Bilder mit „Ich mit deiner Mütze auf Berg", „Ich mit deiner Mütze im Schnee", „Ich mit deiner Mütze in Salzwüste", und da wusste ich es: Er liebte sie mehr als mich.
Auch wenn die Gummischafbrance ein harter Schlag treffen wird: Kauft keine Gummischafe, kauft Strickmützen. Mit Zöpfen. Und glücklich sind eure Nächsten.
In Schiesser-Bambi-Feinripp:
Eleg
PS: Ich habe keine narzisstische Störung, ich betone, ich habe KEINE narzisstische Störung.
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DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Was bisher geschah:
Cynthia B. McKittchnique [131 133 135 137 139 141 143 145
147 149
151 153 156 159 165 168 171 174 176 180 184 188 192]
SeemanSalztod [77 79 81 83 85 87 89 91 93 95 97 98 102 104 106 108 110 112 114 116 118 120 122 124 126 128 130 132 134 136 138 140 142 144 146 148
150 152 155 157 160 162 164 166 169 172 177 181 185 189 193]
Eleg [101 103 105 107 109 111 113 115 117 119 121 123 125 127 129 154 158 161 163 167 170 173 178 182 186 189 194]
Horazio [59 61 63 65 67 69 71 73 75 175 179 183 191]
Mercedes [29 47 49 51 53 55 57 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 92 94 96]
Horazio [1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 100]
Claire Grange [39 41 43 45]
Laura [2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26]
Madame Kiwi [31 33 35 37]
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