DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Let´s Power-Nap, Party People!
Ich les es im Trend, ich les es im Focus. Ich les es in Profil, Format und
auf www.robdenijs.nl … auch auf der Plakatwand vor meiner Haustür,
die derzeit noch eine mieselsüchtige Leiner-Werbung ziert, wird es bald zu
lesen sein:
Power-Napping. Ich mein, bitte, P o w e r – N a p p i n g. POWER NAPPING!!!
Ich hab´s immer geahnt, aber jetzt ist es offiziell: Müde sein
ist was für Verlierer. Nasa-Wissenschaftler und Schlafforscher am
Max-Planck-Institut überraschen die Menschheit mit folgender
Erkenntnis: Zwischen 13 und 14 Uhr erreicht der menschliche
Organismus ein Leistungstief. Eine Verringerung der Leistungsfähigkeit ist
die Folge, die Fehlerrate steigt, die Körpertemperatur sinkt, man vergisst
über den Witz vom Gust aus der Personalverrechnung
zu lachen, der ist deswegen angfressen und mobbt einen,
NeurosenDepressionAngststörung,
der Lebenspartner geht wegen unüberbrückbarer Differenzen
tschari und mit ihm das Urvertrauen in die primären Geschlechtsorgane,
existenzielle Kontrakte werden versaut weil man beim Kopierermenü auf das
falsche Format drückt,
das Satellitennavigationssystem im noch nicht abbezahlten Daihatsu Cuore
sagt einem nur noch „Bitte halblinks wenden“;
AlkoholismusKonkursWeltuntergang.
Erschreckend, ich weiß. Aber es helfen ja angeblich ein leichtes
Mittagessen,
(Plastikteller statt Gmundner Porzellan, auch zum Bandscheibenerhalt)
ein zügiger Spaziergang an der frischen Luft und viel Licht, diese private
Apokalypse
abzuwenden. Oder aber 1.) weitmöglichst nicht zu arbeiten und 2.)
prinzipiell nie vor 14 Uhr aufzustehen, also jetzt zumindest mir. Präventiv
tauch ich so durch jedes Tief und
ihr solltet mal sehen, wie energiegeladen, kreativ und als Trendsetter
mit hoher Kaufkraft ich durch den Tag gehe. Ich möchte sogar sagen
und tue es an dieser Stelle, dass ich als Katalysator für Reformen ein Early
Adopter
mit Langzeiteffekt bin und erkannt habe, dass Innovationen sich in
Netzwerken
auf die Optimierung von qualifizierten Kooperationsmöglichkeiten verlagern,
Frau Antonella Mei-Pochtler, wollen Sie mich heiraten? Ich verehre Sie und
Ihre Kolumnen im Online-Standard und kann es ihnen nur so sagen.
Den langweiligen alten Mittagsschlaf dermaßen hip zu anglizismieren und
unter das allerweil zu grelle Ideal der Arbeitsleistungseffizienzsteigerung
zu knallen,
zeugt jedenfalls schon von enormer Originalität. Ich mein, auf so was muss
man erst mal kommen. Ich versuch mir grad die gesamte Belegschaft der
Steiermärkischen Bank und Sparkassen AG vorzustellen, wie sie sich zwischen
13 und 14 Uhr in eigens dafür eingerichtete Ruheräume zurückzieht um bei
synthetischem Meeresrauschen über Kopfhörer ein Viertelstündchen zu
Power-Nappen. Ein Bild von
huxleyscher Dimension: Da liegt es, das Humankapital, schön ordentlich
gestaffelt in benutzeroptimierten Liegepritschen, selbstladende Batterien im
Zwielicht, hier und dort gar eine menschliche Regung, ein Geräusch, ein
Sanierungssachbearbeiter der Kreditabteilung rüsselt sanft vor sich hin, die
Schalterangestellte zupft an der Bluse … reine Poesie. Und
scheißbeängstigend, ihr Säcke!
Das ist meine Lieblingsstudie seit jener finnischen (glaub ich), dass
hübscheren Kindern von ihrer Umwelt mehr Aufmerksamkeit zuteil wird als
hässlichen. Man mag sagen, dass dies zwar sicherlich ungerecht aber wiewohl
wenig verwunderlich anmutet und sich fragen, warum Müüüllionen von Eypos an
Forschungsgeldern in derartig banale Ergebnisse gestopft werden. Aber das
sagt und fragt sich eben nur, wer noch nicht erkannt hat, dass die klare
Positionierung kompetenter Konzepte im Wachstumsfaktor Kreativklasse sich
über einen dynamischen Lifestyle als höchstes Gut strategischer
Markenführung definiert, und so: Die blöden Gschrappen wissen jetzt, dass
sie schön geboren werden müssen, sonst haben sie keine Chance im Leben.
Und wir wissen nun, dass eine Runde Ratzen gut für die Wirtschaft ist. Als
echter Global Player geh ich da jetzt mal vorarbeiten.
Und morgen früh, so Gott will …
Seeman
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DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Was bisher geschah:
Cynthia B. McKittchnique [131 133 135 137 139 141 143 145
147 149
151 153 156 159 165 168 171 174 176 180 184 188 192]
SeemanSalztod [77 79 81 83 85 87 89 91 93 95 97 98 102 104 106 108 110 112 114 116 118 120 122 124 126 128 130 132 134 136 138 140 142 144 146 148
150 152 155 157 160 162 164 166 169 172 177 181 185 189 193]
Eleg [101 103 105 107 109 111 113 115 117 119 121 123 125 127 129 154 158 161 163 167 170 173 178 182 186 189 194 195]
Horazio [59 61 63 65 67 69 71 73 75 175 179 183 191 196]
Mercedes [29 47 49 51 53 55 57 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 92 94 96]
Horazio [1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 100]
Claire Grange [39 41 43 45]
Laura [2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26]
Madame Kiwi [31 33 35 37]
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