DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Tanz ist ein Telegramm an die Erde mit der Bitte um Aufhebung der
Schwerkraft
Was ist eine Ennstaler Matura?
Vier Jahre Volksschule und ein Tanzkurs.
-- Ich erwähne dies, da soeben die erste Staffel von dem da:
http://insider.orf.at/dancingstars/
ihr endliches Ende fand. Nicht, dass ich das gesehen hätte. Ich doch nicht.
Wir wissen, der einzige Luxus, den sich der Asket gönnt, ist der, nicht
dazuzugehören. Aber ich lese und zwar von phänomenalen Quotenerfolgen, Toni
Polster, einem "Touch von High-Class", Alfons Haider sowie Arabella
Kiesbauer, wobei ich mir nicht sicher bin, was daran das Schlimmste ist,
vielleicht die Mischung.
Surely, or as they call it in Vindobona: Schurli, unreflektiertes Sudern
über GIS-Gebühren zum Artensterben des Wortinhaltes "Kreativ" in der mehr
als zweifelhaften Substantivkomposition "Kreativdirektor"-des-ORF sind so
fehl am Platz wie Witze über Marika Lichters Gewicht, aber ich mein ja nur.
Und zwar:
- Wie sinnig, das Parkettgetapse von Arabella Kiesbauer und Alfons Haider
moderieren zu lassen, wo die doch auch den Opernball … ahaaa!
- Wieso mag ich eigentlich Alfons Haider nicht? Und zwar noch nie? Nicht mal
nachdem er sich als homosexuell geoutet hatte. In der Regel macht mir das
Menschen sympathischer. Irgendwie hab ich bei Fotos von Alfons Haider immer
das Gefühl, einer Phantomschwangerschaft beizuwohnen. Ich weiß einfach, wenn
er gebären könnte, gäb das eine schöne Fotostrecke. Gleich neben Eva
Glawischnig und dem selbstdesignten Schlafzimmer, in das sich André Heller
zurückzieht, nach arbeitsreichen Nächten und langen Gesprächen an seinem
beschissenen Kamin.
- Unser aller Dieter Chmelar konnte, vor seinem unrühmlichen medialen
Verscheiden, zum Opernball noch folgendes Bonmot anbringen: Der Opernball
ist das kollektive österreichische
Über-Ich, oder so ähnlich.
- Jetzt muss man sich doch fragen, so irgendwie fett aus dem kollektiven
österreichischen Keller-Es raus, was sagt uns das, wenn unser Über-Ich von
einem Homosexuellen, der aber leider Alfons Haider ist und einer Frau, die
aber leider Arabella Kiesbauer ist, moderiert wird? Der geneigte Leser
versteht – Die freudsche Dimension macht mich Zittern.
Mehr noch: Juror des Ganzen ist, und zwar kein geringerer als,
Mr.-Gutes-Benehmen-gefragt, Thomas Schäfer-Elmayer und das muss ich den
Nichtmuttersprachlern erklären: Es gibt in Österreich seit ungefähr 700
Jahren überhaupt nur EINE Tanzschule, und das ist die Tanzschule Elmayer.
Ein standardtanztheoretisches Konvolut mit mafiaähnlichen Strukturen und den
illusionären Vorgaben einer auf modernden Knigge-Seiten basierenden
"Benimmschule" im Gepäck, das, im Grunde ein Wiener Übel, leider mobil wurde
und dessen sauberst manikürte Krallen inzwischen noch in die letzte
Provinzbastion reichen, zum Beispiel in die, in der ich aufgewachsen bin.
Frei nach dem alten Jesuitenmotto: Gebt mir die Gfraster, solange sie sich
noch nicht wehren können werden ganze Schulklassen in Kurhäuser, Pfarrsäle,
Trinkhallen und andere Lokalitäten geprügelt und dort, unter
manisch-mikrophonverstärkten Schreien einer in Chanelfetzen gehüllten
heringhaft-ausgezehrten Mittfünfzigerin á la "WIR TANZEN JETZT DIE CHA CHA!"
dazu angehalten, im musikalischen Gleichschritt ihre ohnehin schon
hormonpochenden Geschlechter an dem des jeweilig anderen zu reiben.
Irgendwie klingt der Satz komisch, aber ich lass das jetzt mal so.
Dass das eine tiefenpsychologisch höchst verfängliche Konstellation ist,
muss ich ja wohl nicht näher erläutern. Hier harren Traumata noch und nöcher
der hoffnungsvollen Jugend, kumuliert und forciert im alles abschließenden
"Debütantenball", bei dem der ohnehin schon bis aufs Gebein verwirrte
Adoleszent zur vollendeten Vernichtung sich schließlich gezwungen sieht, vor
den Augen aller zum mitternächtlichen Walzertakt sein Geschlecht, das ihm
demnächst abfallen wird, auch noch an dem des jeweilig anderen seiner
Erzeugerfraktion zu reiben, ich sag nur Ödipus.
Doch warum sich grämen? Ist die Welt doch schön und gibt Grund zum Feiern;
Winterbeginn, Christkindlmärkte, junge Liebe, Fußabdrücke von
Kinderstiefeln im Neuschnee, in die das Brackwasser rinnt, Frau Sabe-Subir,
tapfer und groß wie immer, trotzt dem Tod und auch sonst noch so manchem und
sogar Frau Lynch kolumniert wieder für uns.
Also raus, um meine Sade-Leihbücher endlich mal zurückzugeben, genug
philosophiert im Boudoir, und auf dem Weg zur Bücherei komm ich an so einem
Fahrradständer vorbei und mir entgegen zwei Knaben in ihrer Jugend
Maienblüte, ungefähr dreizehn. Der eine holt aus im Vorbeifahren und tritt
passgenau das Rücklicht von einem der geparkten Räder, sieht, dass ich ihn
beobachte und plärrt: "I woars ned!" und das alles mit einem selten
dämlichen Mondgesicht, in das der Ästhet in mir gern gelangt hätte, würde
dem nicht der Pazifist in mir (keine Ahnung, wo der immer herkommt) prompt
einen Blasentee gebrüht und die Vorhaut massiert haben.
Üblicherweise pflege ich über dergleichen mit dem verständigen Lächeln des
Erfahrenen hinwegzugehen, ein bisserl mutwillige Sachbeschädigung, was ist
dabei? Waren wir nicht alle mal jung und dumm bevor wir nur noch dumm waren?
Aber etwas ist jetzt anders. Ich sehe den Silberstreif am Horizont. Ich hab
sofort meine Fahrradkette durch das Nasenpiercing der kleinen Kretzen
gezogen und ihn hintennach und jetzt seh ich ihn da unten, von meinem
Fenster, und hör ihn sudern, von wegen kalt. Herr, Frau,
TochterSchwesterOnkelEnkel Elmayer, ich fiebere ihrer Ankunft entgegen.
Noteinsatz! Walten Sie Ihres Amtes! Noch ist nichts verloren! Retten Sie die
Jugend – BINDEN SIE DER KLEINEN SAUZEHE EIN MASCHERL UM!
Hochachtungsvoll,
Ihr Seeman, Rattenfänger a.D.
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DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Was bisher geschah:
Mercedes [29 47 49 51 53 55 57 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 92 94 96 208]
SeemanSalztod [77 79 81 83 85 87 89 91 93 95 97 98 102 104 106 108 110 112 114 116 118 120 122 124 126 128 130 132 134 136 138 140 142 144 146 148
150 152 155 157 160 162 164 166 169 172 177 181 185 189 193 198 202 204]
Eleg [101 103 105 107 109 111 113 115 117 119 121 123 125 127 129 154 158 161 163 167 170 173 178 182 186 189 194 195 199 203 206]
Horazio [59 61 63 65 67 69 71 73 75 175 179 183 191 196 200 204 207]
Cynthia B. McKittchnique [131 133 135 137 139 141 143 145
147 149
151 153 156 159 165 168 171 174 176 180 184 188 192 201]
Horazio [1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 100]
Claire Grange [39 41 43 45]
Laura [2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26]
Madame Kiwi [31 33 35 37]
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