DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Ave Maria liebe Laura,
Du machst es mir wirklich nicht einfach. Schon seit Äonen warte ich darauf über die Leichtigkeit des Seins, über Trockenrodeln, über Bergeichelkäse oder gar über rekonvaleszente Hodenschweissgeblendete zu schreiben doch immer wieder lenkst Du meine mentalen Kräfte (um nicht zu sagen meine ENORMEN mentalen Kräfte) auf ein komplett anderes Thema:
Der kleine Wuschelkopf aus "hmpfhmpfhmpf Superstar" hat es mir einfach angetan. Der Mann mit den Spaghettiabtropfhänden. Der Hauptlieferant römischer Raubtiernahrung. Der Erfinder der Radiowanderung. Der Chef des dreckigen Dutzends. Der Mahlzeitenkloner. Der Heiland. Der Heiler. Der Erlöser. Der Sohn Gottes. Und jetzt bitte schreien: Der sandalentragende unbelivable holy Tschisäs!!!
Ich stelle mir des öfteren vor, wie es wohl gewesen wäre, wenn der Führer der Christen ein World-Wrestling-Federation-Star gewesen wäre. "And in the Ring to my riiiiggghht... from Betleheeem Palestiiiine... the Cross-Hanger.... the Wine-Wizard... the Water-Walker... Ladiiieees and Gentlemaaan... welcome with meeee... the undefeatable Dontthrowthefirststonesayer JESUS... SOOOON OF GOOOD!!!!" (und dann würde während dem spektakulär inszenierten Einmarsch unseres Schlarpenbarbaren "Highway to Hell" gespielt - grandios). Tja... eigentlich ist das nicht wirklich witzig. Er war ja im Grunde genommen ein armer Kerl der Heiland. Imaginieren Sie, man hätte Ihnen eingeredet, Ihr Vater wäre DER Gott... also wirklich. So etwas kann dann schon einen starken Druck auf einen Buben ausüben und einen jugendlichen Charakter enorm mitprägen. Man möchte ja schliesslich dem Vater nacheifern (Gell Bapi!).
Ist ja aber egal welche Neurosen und Frühschäden dazu führten, dass aus Jesus eben der Jesus wurde. Was ich allerdings zu bezweifeln wage, ist die etwas ungenügend fundierte These, der Jesus wäre wirklich der echte Sohn Gottes und das Produkt einer unbefleckten Empfängnis. Seien wir mal ehrlich: Der Josef war einfach ein doofer Depp, der kein Geld für handgetrimmte Fischlederkondome, geschweige denn für die Hochzeit mit Maria ausgeben wollte, jedoch den Koitus nur nicht-interruptiv auszuüben vermochte. Also wurde die Maria schwanger (befleckt) und da war das doch eine schöne Ausrede: "Neeee ich hab die nich' gepoppt das war Gottes Wille...", also nein wirklich billig und beschämend.
Aber warum waren die Menschen bloss so begeistert von diesem Jesus? Warum folgten ihm 12 Groupies unermüdlich auf Schritt und Tritt? Wesshalb gingen Menschen für ihn in den Tod; für einen unehelichen Lederlatschen-Hippie mit schmutzigen Fingernagelrändern (das sah ich mal in einer bebilderten Kinder-Bibel)? Das weiss wohl niemand so genau. Obwohl es gibt frappante Parallelen zu nicht ganz so weit zurückliegenden Ereignissen unserer Weltgeschichte. Vielleicht finden wir da eine Erklärung. Vor etwa 70 Jahren lebte in Deutschland ein kleines Männchen mit etwas fettigen Haaren, das es ebenfalls fertigbrachte, dass ganz ganz viele Menschen es toll fanden. Sie streckten ihm dann die Hände entgegen (wahrscheinlich um nach seinem Zipfel zu greifen) und riefen lustige Dinge wie "Sieg Heil...". Jetzt stellen sie sich nochmals den Wrestling-Ring mit dem sich gerade durch die Seile flechtenden Jesus vor. Von den oberen, unteren und mittleren Rängen der Tribüne (von der gesamten Tribüne also) vernehmen wir die gellenden Zurufe der Fans: "Sieg Heiland... Sieg!!!". Sehen Sie was ich meine? Furchterregend nicht? Ich bin der absoluten überzeugung, dass wir von Glück sprechen können, dass die Allierten der Nullzeit (Römer) dem wilden Treiben des Ur-Uriellisten ein Ende bereiteten (okay ein Schuss zwischen die Augen hätte es auch getan) und so den Auftakt zu Aktionen, die mit Sicherheit in einer totalitären Ausbreitung des gelobten Landes ihren Höhepunkt gefunden hätten, verhinderten.
Um nicht wie Salman Rushdie zu enden und von aufgebrachten, gläubigen Rentnern beim Einsteigen ins Tram zu Tode getrödelt zu werden, beende ich meinen kleinen blasphemischen Exkurs an dieser Stelle (sonst wirft man mir dann wieder vor ich würde mich im Kreise drehen und mich wiederholen und mich beim blossen Gedanken an das Christentum und an Religion in etwas hineinsteigern (was leider vollkommen der Wahrheit entspricht)) und verabschiede mich von Dir lieber Laura und von Ihnen lieber Leser. Ich muss jetzt ins Bett morgen kommt der neue Tisch.
Libertad Öcalan...
Horazio
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