DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
The World According to Me
Zu den Dingen, die ich verstehe gehören Angst vor Spinnen, der Wunsch nach Nichtraucherlokalen und bestimmte Bartmoden. Dass Pyromanen statistisch auffallend häufig Söhne von im Verein singenden Feuerwehrmännern sind, Panikattacken, das leise ästhetische Unbehagen beim Anblick gänzlich enthaarter Genitalien. Auch vegetarisches Chili lasse ich mir einreden, Ornithologie als Fetisch, dass es wohl eine Zielgruppe für die wöchentlich in meiner Fernsehprogrammzeitschrift abgedruckten Briefschachetappen geben MUSS, sowie die Tatsache, dass der Waldrand in meinem Fensterrahmen, durch ein Glas Himbeerschiwasser betrachtet, geiler aussieht als der sonnenuntergehendste Sonnenuntergang.
Ich bin für konstant besteuerten Tabak, amoklaufende Fiakergäule auf der Mariahilfer Strasse, Programmkinos, Obstschalen, Salvador Dali, Paul Gilbert, der Haydns Symphonie No. 88 mit sechzehn verschiedenen Gitarren einspielt, flauschige Bademäntel und kniehohe Teppiche, den Winterbeginn, Titten, Präventivmaßnahmen zu einem ausgeglichenem Blutfetthaushalt, Vornamen wie „Gereon“ und „Wasgottwill“ und Nachnamen wie „Hauptfleisch“. Lavalampen finde ich gut, dass es Berufe wie Abwesenheitskurator und Stillberater gibt finde ich gut und Konzepte wie www.slam-movie-night.ch und www.jungkunst.ch
Flusskrebse, die im Kampf mit einem Rivalen unterliegen, haben eine Chance zu überleben, wenn sie die Rolle eines Weibchens annehmen und mit dem Sieger Pseudo-Sex betreiben. Das männliche Gehabe beim simulierten Geschlechtsverkehr hilft dem Sieger, sich zu beruhigen und seine Dominanz zu etablieren. Stand heute in der Zeitung. Das finde ich auch gut, denn es verkörpert für mich die Definition von Berufsleben.
Weniger gut finde ich dagegen so einiges und mit am schlimmsten davon sogenannte „Denksportaufgaben“. Und damit meine ich nicht mal das traditionelle „Stadt-in-Niederösterreich-mit-sieben-Buchstaben“ und ähnliche beschäftigungstherapeutische Maßnahmen für stillende Mütter und pensionierte Hofräte. Ich meine den vielmehr knallenden Horror à la
„Sie befinden sich in einem großen Raum, dessen drei Ausgänge von einem Aufseher bewacht werden. Sie wissen nicht, wie und warum Sie hier sind, aber das ist letztlich auch egal. Allerdings erinnern Sie sich daran, dass Sie heute Abend ein Rendezvous mit Ihrer Freundin haben, das Sie keinesfalls verpassen möchten. Sie sprechen den Aufseher an, und dieser antwortet: 'Eine der drei Türen führt in die Freiheit, die anderen beiden in den Tod. Du darfst mit drei Fragen stellen, die ich mit 'ja' oder 'nein' beantworten werde. Aber sei gewarnt, ich werde genau ein mal die Wahrheit sagen und die beiden anderen Male lügen.' Welche Fragen müssen Sie stellen, um die Verabredung mit Ihrer Freundin einhalten zu können?“
-- Spinne ich, oder erinnert auch dieses sympathische Situationskonstrukt irgendwie ans Berufsleben? Es ist gar sehr von Übel. Nicht nur dass diese Dinger mit dem ihnen eigenen kafkaesken Paralleluniversumsgrauen einen mehr oder weniger subtilen Alptraumcharakter haben, nein, viel schlimmer: Dass sich Menschen hinsetzen können und sich so was aus dem cerebralen Cortex oder woraus auch immer quetschen und dabei darauf hinweisen, dass sämtliche solcher Aufgaben mithilfe der Aristoteles`schen Aussagenlogik zu lösen seien, wobei a und b beliebige Aussagen sind und genau dann wahr wenn a als auch b wahr ist oder a wahr ist wenn b wahr ist wenn sowohl a als auch b … AAAHHHH! Und schlimmer: dass sich andere Menschen dann hinsetzen und sich mit so was in ihrer FREIZEIT und ZU IHREM VERGNÜGEN beschäftigen. Und am allerallerschlimmsten: diesen Menschen dann dabei zusehen zu müssen wie sie sich mit so einem Horrorexemplar im Bett vergraben bis man sie acht Stunden später findet, in einer Ecke zusammengekauert, hohlwangig mit leeren Fieberaugen in zombiegleicher Trance einen Fetzen Klopapier mit ein paar hingekritzelten Gleichungen umklammernd und winselnd: „GLEICH! GLEICH HAB ICHS!“
Es gibt so viel Schreckliches in der menschlichen Natur. So viele bodenlose Abgründe. Wir wollen, geneigter Leser, uns nun davon abwenden, um unserer geistigen Gesundheit willen. Zumal es mich auch, neben dem Berufsleben, auf mysteriöse Weise ans zweite große Übel erinnert: die Musterung zum Bundesheer. Und diesbetreffend geht die österreichische Legende, dass einem potentiellen Landesverteidiger beim psychologischen Eignungstest vom Fachpersonal drei Holzkugeln ausgehändigt wurden im Rahmen der Aufgabenstellung: Bauen Sie Ein Haus. Worauf der potentielle Landesverteidiger zu entgegnen wusste: „Gegen´S mir eine Vierte, dann bau ich Ihnen noch eine Garage dazu.“
Und obwohl ich von niemandem verlangen kann, dass er das versteht, ist diese Geschichte einer der spärlichen Gründe, warum ich morgens aus dem Bett aufstehe.
Der Herr ist mein Hirte,
Seeman
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Horazio [1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 100]
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