DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Geschätzte Laura...
mit Entsetzen habe ich Deinen Brief gelesen. War es die
gar dreist antiesotherische Lampenpinkelei, Deine Auflehnung
gegen die Staatsmacht im Bussenwesen, die Bespeichelung einer
3.Welt-Jammerkarte oder am Ende vielleicht die etwas unfreiwilige
Re-Materialisierung von Vollwertkost aus dem Innersten
eines Dritten (dazu noch ein Akademiker) ?
Nein nein nein... die Haustiere haben mich zutiefst erschüttert.
Die Erwähnung Deiner Katzen gab den Ausschlag zu schmerzlichstem
Schmerz tief in mir drin.
Da soll es wirklich Menschen geben, welche in vollkommener Gleichgültigkeit,
Tiere völlig zweckentfremden und ohne Schamgefühl
streicheln, hätscheln, kraulen, hegen und pflegen. Die Wesen
werden nicht geopfert, geschlachtet, verspiesen oder auch nur
wenigsten etwas gequält. Ohhh nein. Ihre Besitzer geben Ihnen
idiotische Namen (Muschi, Mausi, Hundi, Lumpi, Mizi um nur einige
zu nennen) und lassen sie als gleichberechtigte WG-Partner bei
sich wohnen.
Kaum jemandem von ihnen käme es in den Sinn, ihrer buckligen, alten
Tante einen spezial Buckelstuhl, an einem spezial Buckeltisch,
beleuchtet von einer in einer Buckligen-Invalidenwerkstatt
gefertigten Spezial-Buckel-Lampe anzubieten und sie mit gekünstelter
Quietsch-Stimme zu fragen, ob sie denn nun lieber Rind
oder Huhn verspeisen möchten täten würde.
Nein nichts dergleichen ! NO MERCY !
Aber dem kläfenden Robby-Dog-Säckchen-Vollscheisser (um hier von
der Katze auf den Hund zu schwenken (die Gattung spielt gar keine
Rolle und ist multipel, wechselseitig substituierbar)) wird ein eigens
angefertigtes (meist rosa) Napfsystem mit aktivkohlenfilter gereinigtem
Wasserbereich und Festnahrungsvertiefung mit Warmhaltefunktion
unter das hündische Doppelkinn geschoben. Sobald sich das
hässliche, bereits vollgefressene Ding, unter Hächeln und Röcheln an
die Umlagerung seines Körpers (nämlich vom ganz furchtbar kuscheligen,
selbstgeklöppelten Hunde-Wuschi-Flauschi-Deckchen zum eben benannten
Fressnapf) gewöhnt hat, halten die hochgradig entzivilisierten
Menschen ihm kleine Döschen mit bunten Bildchen vor die grobporige,
feuchte Schnauze und geben mit betörender Stimme Dinge von sich
wie: "Ja was mag denn der kleine Wauwau heute hääääää ?" oder "Na
schau mal was die Mami Dir Feines mitgebracht hat. Feinifeini !".
Jeder 3 Monatige Fötus würde auf diese Verbalattacke mit einem
ultraspontanen Durchtrennen der Nabelschnur reagieren. Nicht aber
das komplett degenerierte Scheusal. Das wedelt sich einen Wolf vor
Freude und sabert einen kleinen Ozean auf den Küchenboden, was mit
einem "Iiiiist er nicht ein Schätzchen", von der humanoiden Hundemami
quittiert wird.
Derweil die bucklige Tante auf einem extrageraden Ikea Stuhl (aus
der Serie Quäldätant) vor sich hin leidet.
Und da war ich dann doch im Gemüt besänftigt, als ich beim zweiten
Lesen des Satzes gemerkt habe, dass es um eine ganz normale Misshandlung
der Katzen geht. Was war ich doch erleichtert.
In Verbundenheit
Horazio
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