DIE DONNERSTAGSKOLUMNE

lieber Horazio..

deinen vergleich der kuschligen, nichtsnutzigen flohträger mit der alternden, nichtsnutzigen tante konnte ich nicht ganz nachvollziehen, denn auch nach gründlichem befassen mit dem thema „alter“ konnte ich dieser generation nichts brauchbares abgewinnen (aussgenommen vielleicht eine diskussion übers wetter). im gegenteil:

die geriatrische, immer “früherwarsnochanders“ lallende, zustosszeitentramplatzinanspruchnehmende, nach exkrementen und tod miefende front macht es einem auch nicht gerade schmackhaft, in vorfreude zu altern.. soll ich mich etwa jetzt schon nach kaffeefahrten mit heizdecken-demonstration in landhausambiente sehnen oder mich auf die kriegsbüchersammlung vorbereiten und mir schon mal die massivholzwohnwand mit glasvitrine für die schützenvereinwimpel organisieren?

sind diese verhaltensstörungen auf das altern oder die vergilbenden hirnfunktionen zurückzuführen? ich denke (ja, tatsächlich!), die sich in dekaden angestauten, kohlehydratüberschüssigen und cholesterinträgen schlackenstoffe wirken sich irgendwann mal massivst auf die eigenen neurotransmitter aus. wieso sonst würde man sich die coop 1/2 preis trutenbrust gleich kiloweise und die petit beurre im duopack besorgen, nur um selbige zur hälfte speichelversetzt mit mühe zu mammeln und die aktions-streichwurst in symbiose mit dem aktions-streichkäse im kühlschrank zu neuen penizillinarten mutieren lassen. natürlich werden all diese einkäufe jeweils auf 2 bereits gebrauchte und selber mitgebrachte migrostüten objektgetreu verteilt, um anschliessend auch möglichst viel platz im 17:30 tram einzunehmen und die arbeitende, ahv-zahlende bevölkerung beim ein- sowie aussteigen zu behindern.
beim extrem-1/2preis-shopping mit eigenem auto (das im glücksfall 10-jährig ist und kaum mehr als 25‘000 km aufzuweisen hat, im normalfall aber kürzlich vom schwererarbeiteten geld gekauft wurde und den erbteil für die hinterbliebenen unnötig schmälert) sind noch ein paar zusätzliche anmerkungen zu machen:

- das konstant-60-fahren auf überlandstrassen

- der blinker, der zur eigenen sicherheit während der ganzen fahrt „rechts“ signalisiert

- die dauernd eingeschalteten nebellampen zur überbrückung des fortschreitenden grünen und grauen stars


- die dekorativ-gestaltete, visuell-hirnhautreizende hutablage (um auf die selbstgeklöppelte flauschdecke zurückzukommen) mit gobelinkissen des eigenen nummernschildes

du siehst, mit einem buckelgetreuen heim-design ist es noch lange nicht getan. vielleicht sollte man aber die öffentlichen verkehrsmittel mehr der älteren abo-besitzenden bevölkerung anpassen..z.b. mit stapelliegen. würde gleichzeitig vielleicht auch helfen, die klaustrophobische sargangst zu überwinden.

bis dann dann

laura


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