DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Österreich von Unten
Zwar sind die schwamendinger Schilderungen und vor allem dieser
Name höchst amüsant, jedoch liegt bei Fr. Lynchs Äußerung
„Österreich gehe ja noch“ die Vermutung nahe, dass sie dasselbe noch
nie roh und unverschnitten erleben durfte. Eines vorweg: Österreich ist
nicht gleich Österreich und vor allem ist Österreich nicht gleich Wien.
Was sich da unter dem kulturellen Banner unserer Hauptstadt als
ausgehfertig aufgeputzt der Welt präsentiert, hat zumeist wenig mit
der Basis zu tun, um es mal parteiterminologisch auszudrücken.
Sensible Leser mit fragilem Magen seien gewarnt: Ich sehe es als
meine Aufgabe, Ihnen als subjektiver Botschafter ein realistischeres
Bild meiner volksdümmlichen Heimat nahe zu bringen, als es Sepp Forcher in
seinem
„Klingendes Österreich“ tut. Wenden sie sich lieber gleich mit Grausen
ab und greifen sie zu Ihrem Rosenkranz, ich hafte nicht für etwaige
Traumata.
St. K. (names are changed to protect the guilty) ist ein bekannter
Luftkurort.
Zweimal jährlich gibt es dort das Bierzelt. „Bierzelt“ ist ein
österreichischer
Überbegriff für „sich im Status der alkoholbedingten Unzurechnungsfähigkeit
in seinen eigenen Fäkalien wälzen um durch Urschreitherapie alle Triebe
die man so hat mal richtig auszuleben.“ Heimische Schüler haben es nicht
nötig, bewaffnet im Klassenzimmer aufzukreuzen, ein Bowling for St. K.
wird es nie geben und wie viele österreichische Serienkiller außer Jack
Unterweger (der genetischen Ursprungs Amerikaner war) kennen
Sie? Das Bierzelt ist das Überdruckablassventil der rotweißroten
Alpennation.
Ich betrete es erstmalig seit vielen Jahren und natürlich erst zu
mitternächtlicher
Stunde sowie nach ausreichender Prophylaxe (dem sogenannten „Vorglühen“),
um zur Vorbeugung schwerer geistiger Folgeschäden mein Umfeld nur noch
rudimentär wahrnehmen zu können. Jedoch fallen schon am Eingang
zwei baumlange Burschenschaftler einer rechtsnationalen
Mittelschulverbindung
ins Auge, die in einer Lache Erbrochenem „um a Weibate schlägan“ (=
durch physische Gewaltmaßnahmen die Gunst eines weiblichen Wesens
erringen wollen) und ich muss erkennen: Alles beim Alten. Nachdem ich
einen Platz gefunden habe, der aussieht als hätte sich noch niemand etwaiger
Körperausscheidungen darauf entledigt, werde ich eines Kreises von johlenden
Adoleszenten gewahr, in deren Mitte Herbert M. (Name der Redaktion bekannt)
zum allgemeinen Gaudium mit einem Bierzelthendl kopuliert. Ich übertreibe
oder erfinde nicht, meine Damen und Herren, er führte unter Anfeuerungsrufen
sein Fortpflanzungsorgan in das gebratene Hühnchen ein und verspeiste dieses
danach. Ein Bild, das mich in meinen Träumen verfolgt. Später tat sich ein
anderer
der illustren Runde, der sich nach eigenem Bekunden beim boaaaaardääääännnnn
einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, dadurch hervor, dass er sich die
tägliche Thrombose
spritze statt in den Oberschenkel in die Hoden inizierte. Zweimal. Diese
nahmen
darob eine mitternachtsschwarze Färbung an und erschwollen zu Handballgröße.
„Oba wichsn geht nu!“ (= der Selbstbefriedigung zu frönen ist noch möglich)
verkündete er mit schmerzverzerrtem Gesicht, als er von der Toilette
zurückkam.
Apropos Toilette: Frauen werden ja im Bierzelt bevorzugt behandelt. Was da
in einem umgemodeltem Wohnwagen für sie bereitsteht, ist mit allen typischen
Merkmalen als Toilette erkennbar. Die so genannte „Soachhittn“ allerdings,
die der Männerschaft für ihre flüssigen Ausscheidungen angedient wird,
spottet allem Vorstellbaren: Ein dem Hauptzelt angegliederter
an ein Feldlazarett im ersten Weltkrieg gemahnender Verschlag, in dem man
durch eine knöchelhohe Soße aus Sägespänen, Schlamm, Urin und Erbrochenem
zu einer etwa in Kniehöhe befestigten Metallrinne waten muss, die selbst in
nüchternem Zustand äußerst schwer zu treffen wäre. Die Folgen sind, das
a) die Zeltwand dahinter eine reclamheftgelbe Farbe annimmt,
b) sowieso jeder „hinbrunzt“ wo er steht oder liegt und
c) sich einem beim Betreten der Magen umdreht, was natürlich wieder
Platz schafft für mehr Hendl und Bier.
Heimat bist du großer Söhne,
viel begnadet für das Schöne,
Seeman
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DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Was bisher geschah:
Mercedes [29 47 49 51 53 55 57 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88]
SeemanSalztod [77 79 81 83 85 87]
Horazio [59 61 63 65 67 69 71 73 75]
Horazio [1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58]
Claire Grange [39 41 43 45]
Laura [2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26]
Madame Kiwi [31 33 35 37]
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