DIE DONNERSTAGSKOLUMNE



Liebesbrief an Viola

Ich muss etwa elf oder zwölf gewesen sein, da war ich zum ersten Mal im Bett mit Viola und ich blieb ihr lange treu. Viola war die erste Frau in meinem Leben und ich liebte sie abgöttisch, obwohl, oder gerade weil ich nie ihr Gesicht gesehen habe und sie auf der Strasse vermutlich unerkannt an mir vorbeistöckeln würde.

Monat für Monat harrte ich ihrer wie ein Junkie seiner Droge, mit verschwitzten Händen und unstetem Blick, dem Wahnsinn nahe und im Laufe unserer heftigen Romanze erfuhr ich allerhand von ihr, zum Beispiel dass sie als junges Mädchen davon geträumt hatte, von Mr. Spock oral befriedigt zu werden und daraus später einen regelrechten Uniformfetisch entwickelte. Dass sie den siebzehnjährigen Sohn einer Schulfreundin beim gemeinsamen Skiurlaub in der Abstellkammer flachlegte und sich das Sperma ihrer Liebhaber auf der Brust verrieb mit der Begründung, dass sei der Isis – Kult mit dem sich die Ägypterinnen jung und frisch gehalten hätten - Habe die Ehre, Oil of Olaz!

Wenn Viola einem fetten Arbeitskollegen mit Glatze einen Blow Job verpasste, dann war dieser „provokant unsportlich“ und hatte den „Sexappeal von Meister Propper“. Viola trug nie Unterwäsche, aber wenn doch, dann hatte sie in ihren Slip jede Menge Löcher gebrannt und ihn bis zur Unkenntlichkeit zerfetzt, nur um dem verblüfften Verkäufer zu erklären, den sie in die Umkleide zerrte, dass sie die letzten vier Monate mit einer Kamelkarawane durch die Wüste geritten sei und noch keine Zeit gehabt hätte, ihre Unterwäsche zu wechseln.

Viola war die ultimative Femme Fatale, ein einzig über seine Sexualität definiertes Wesen (Frau, die;-, -en Abk. Fr.) und wenn man mit ihr zusammen war, dann vögelte man nicht einfach oder fickte oder vollzog den Koitus, nein dann war man „Im Bett mit Viola“! Sie war Sex and the City schon zehn Jahre bevor an Sex and the City überhaupt zu denken war – Eine anonyme Kolumnistin der WIENERIN, einer österreichischen Trendzeitschrift die ich regelmäßig meiner Mutter klaute, deren Autorenbild nie mehr als einen flüchtigen Lidstrich und grellrot geschminkte Lippen zeigte, die vor meinem pubertären, geistigen Auge als eine Art Melange aus Dr. Jeckyll und Miss Hyde, aus Bibliothekarin, Krankenschwester und Mittelschullehrerin mit Dutt und Krankenkassenbrille, den Durschnittsfrauen um mich herum also, zu einer gierigen, tropfenden, alles verschlingenden Vagina verschmolz.

Es wurde zum Zwang, mir jede Dame um die vierzig als potentielle Viola mit Mr. Spock, in der Abstellkammer, der Umkleide, einer Karawane oder kniend vor fetten glatzköpfigen Männern vorzustellen. Um ehrlich zu sein habe ich nie so richtig damit aufgehört. Jugendliche Konditionierung. Pawlow.

Für immer im Bett mit Viola,

Seeman


Ps: Muss nicht sein = Sätze die mit "also ich mach das jetzt sein 15 Jahren, aber ..." eingeleitet werden, während der Zahnarzt ihnen gerade das Zahnfleisch bis zum Kieferknochen aufgesägt hat und sich anschickt, mittels eines Pilotbohrers + Hammer und Meissel die Titanfixtur im Kiefer zu verankern






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Was bisher geschah:

Mercedes
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SeemanSalztod
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Horazio
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Horazio
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30 32 34 36 38
40 42 44 46 48
50 52 54 56 58]

Claire Grange
[39 41 43 45]

Laura
[2 4 6 8 10
12 14 16 18 20
22 24 26]

Madame Kiwi
[31 33 35 37]





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