DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Die Penis - Sublimierung
Hübsch anzusehen, diese Urlaubsschnappschüsse und
hübsch auch Fr. Lynch - sexy blond bezopft in Badebekleidung.
Das macht Lust auf mehr ... Urlaub natürlich. Leider
jedoch stehen meine Urlaubswünsche und Zieldestinationen
in einem nicht direkt proportionalen Verhältnis zu den mir
gegebenen solventen Möglichkeiten. "Kann nicht fort,
sauf im Ort!" pflegt man in diesem Fall zu kalauern um zu
zeigen, dass, wenn man`s schon nicht hat (unter "Es" zu
subsumieren sind Kapital, Vorausschau bei der Berufswahl
und realistische Familienplanung), so doch zumindest Humor.
Aber ich habe es ja auch gar nicht nötig, mich in überfüllten
All-Inklusive-Clubs mit deutschen Mitmenschen um die
bestpositionierte Pool-Liege zu prügeln oder am
Bademeisterstrand des Gardasees meinen österreichischen
Nachbarn hallo zu sagen, sorgen doch die heimischen
Animateure immer wieder für genügend Kurzweil und
Amüsement.
Big Trouble in little Mozart-Town: Hatte doch die Künstlergruppe
"Gelatin" eine überlebensgroße nackte Männerskulptur in gequälter
Fleischfarbe auf dem Max Reinhard - Platz vor dem Rupertinum
(Museum der Moderne in Salzburg) errichtet, die sich mittels
eregiertem Penis als Springbrunnenfunktion selbst in den
Mund zu urinieren gedachte. "Skandal!" brüllten die einen und
schlugen die Klodeckel ihrer Religionen über sich zu, auf dass nur ja
diese üble Vulgarität ihre unsterblichen Seelen nicht zu trüben
vermochte. "Das Ding muß weg!" ereiferten sich Lokalpolitiker,
"Freiheit der Kunst!" antworten die Künstler im Rückruf.
Ergebnis: Die Skulptur wurde zunächst mit Plastik verhängt, dann
mit einer unglaublich hässlichen, urinfarbenen Holzvertäfelung dem
sensiblen Betrachterauge entzogen und ist mittlerweile auf dem
Weg nach Wien, auf dass sie dort die Gemüter erhitze.
Freud hätte seine helle Freude gehabt. Es ist den Menschen hierzulande
scheinbar immer noch nicht gegeben, auf erwachsene Weise ihre
Sexualität zu händeln. Gut, auch ich könnte mir schöneres vorstellen,
als als Anrainer im Morgengrauen die Jalousien hochzufahren und sogleich
mit einer halbmeterhohen Geschlechtsnase konfrontiert zu werden, vor
allem, weil die Skulptur (samt Unterhemd und Tennissocken) wirklich eine
ausnehmende Anti-Ästhetik aufweist,
aber die ganze Aufregung ist mehr als lächerlich - sie ist typisch.
Phallisch,
Ihr Seeman


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DIE DONNERSTAGSKOLUMNE
Was bisher geschah:
Mercedes [29 47 49 51 53 55 57 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 92]
SeemanSalztod [77 79 81 83 85 87 89 91]
Horazio [59 61 63 65 67 69 71 73 75]
Horazio [1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58]
Claire Grange [39 41 43 45]
Laura [2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26]
Madame Kiwi [31 33 35 37]
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