DIE DONNERSTAGSKOLUMNE


Fanfare for an uncommon woman

Unsäglicher Schmerz herzkranzgefäßverengt mir ein kardiologisches Problem in der Brust zusammen, während ich in den entblätterten Zweigen einer herbstlichen Ulme kauernd mit meiner Maultrommel Chopins „Nocturne“ zum Mond hinaufboinge – Frau Lynch ist von uns gegangen! Aufgrund Ihrer letzten Kolumne können wir als Grund hiefür nur ein genitalverkühlungsbedingtes Nierenleiden annehmen.

Das trifft mich doppelt und dreifach. Nicht nur, weil ich unsterblich in Mercedes verliebt bin, sondern auch weil Sie es schließlich war, durch die ich überhaupt auf www.bademeister.ch gestoßen bin. Es begab sich nämlich vor Äonen in einer weit entfernten Galaxie, dass ich aus purem Zufall zu einem billigem Internetzugang kam, was mir erstmalig die Möglichkeit eröffnete, das Ejakulat meines jeweiligen geistigen Selbstbefriedigungsprozesses einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es war dies allerdings weniger ein Akt der Nächstenliebe, denn des puren Gegenteils – Ich kann mich selbst nämlich nicht besonders leiden und fand, davon sollten alle was haben. So durchstreifte ich also das Netz, auch um natürlich wahrzunehmen, was denn meine Mitmenschen so an textlichen Leistungen fabrizierten. Das war allerdings zum größten Teil eine herbe Enttäuschung. Zwischen Werken mit so sinistren Titeln wie „Die Liebe“, „Ich liebe dich“, „Er liebt mich nicht“ oder „Ich sitze in einem verdunkelten Raum und schreibe bei Kerzenschein diese Gedicht, weil sie mich nicht mehr liebt“ mit erahnbarem Inhalt, suchte ich verbittert und desillusioniert nach einem Licht am Ende des Tunnels, nach einem Ausweg aus dem schwülstig-lyrischen Liebesfaschismus deren Propagandeure man meiner bescheidenen Meinung nach mit dem Gesamtwerk Erich Frieds zu Tode geißeln sollte.

So stieß ich eines Tages im Index auf eine Autorin mit Namen Mercedes Lynch, welche durch die Titelwahl Ihrer Werke à la „Feuer in der Vagina“, „Arschaugen“, „Der wahre Grund seiner Verbitterung“ … etc mein fernsehbedingt aufmerksamkeitsdefizitäres Auge länger als 0.33467 Mikrosekunden zu fesseln vermochte. Ich las und las und fühlte sofort Gefühle der Sympathie und unverhohlener Bewunderung in mir aufkeimen wie einen jungfräulichen Setzling, der im Frühlingsregen die harte Erdkruste durchbricht, zu dieser Frau, welche auf eine Art und Weise zu schreiben pflegt, wie ich es bis dato nie gelesen hatte. So kam ich in weiterer Folge durch die wirren und unergründlichen Pfade des virtuellen Dschungels auf den Bademeister, wo sich damals noch das elterliche Urgötterpaar der Donnerstagskolumne; Horazio und Laura, die Ehre gaben und ward sofort Fan. Diese Verkettung von an Glück begüterten Zufällen hat zu der längsten Anstellung geführt, die ich in meinem bisherigen Leben halten konnte.

Dafür, wie für so viel anders, vielen, vielen Dank, liebe Mercedes. Ich hoffe, hoffe, hoffe, das war nicht das Letzte was wir von dir gelesen haben. Sei dir meiner reinen, ewigen Liebe sicher und dessen, dass ich darüber nie ein Gedicht verfassen werde. Auch wenn es wie ein Schlager klingt: Hinter dem Bodensee schlägt ein Herz für dich! Sollte es eines Tages – was ich dir natürlich nicht wünsche – mit dem Sommersprossenmann auseinandergehen und dich aus unnachvollziehbaren Gründen nach Österreich verschlagen, zögere nicht, an meine Tür zu klopfen, so ich denn dann eine haben werde. Bis dahin werde ich warten, vielleicht nicht unbedingt zölibatär, aber doch überhaupt und meinen Körper wie Intellekt in einem unermüdlichen Aufarbeitungsprozess stählen, bis ersterer aussieht als hätte ihn ein homosexueller Unterwäschedesigner aus einem Stück Duftseife geschnitzt und zweiterer wenigstens halbwegs aus dem Less-Than-Zero-Bereich ragt. Um bereit, genug und würdig zu sein.

Farewell,

Seeman





DIE DONNERSTAGSKOLUMNE



Was bisher geschah:

Mercedes
[29 47 49 51
53 55 57 60
62 64 66 68
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78 80 82 84
86 88 90 92
94 96]

SeemanSalztod
[77 79 81 83
85 87 89 91 93 95 97]

Horazio
[59 61 63 65
67 69 71 73
75]

Horazio
[1 3 5 7 9
11 13 15 17 19
21 23 25 27 28
30 32 34 36 38
40 42 44 46 48
50 52 54 56 58]

Claire Grange
[39 41 43 45]

Laura
[2 4 6 8 10
12 14 16 18 20
22 24 26]

Madame Kiwi
[31 33 35 37]





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